Besuch des archäologischen Museum und Park Kalkriese – Varusschlacht

Eisekalt war es an diesem Samstag im Januar.
Allerdings schneefrei und die Sonne schien, somit konnte ein längst geplanter Besuch der Varusschlacht im OsnabrückerLand erfolgen.

Vorweg sei gesagt, da ich nun sehr viele Bilder eingefügt habe und es ein sehr langer Text wird, dass ich den Besuch des Museums absolut empfehlen kann.
Wer also nicht lange lesen und gucken will, der kann schon mal seine Reiseplanung in Angriff nehmen.

Von meinem Zuhause in Georgsmarienhütte ist es um die 30KM entfernt, also auch eine Tourmöglichkeit für Flipper.

Mit einer meiner Exen fuhr ich dann allerdings mittels PKW zum Museum.
Um Besucher anzulocken und die trüben Wintermonate zu überbrücken, hat man dort vom 11ten bis zum 25. Januar eintrittsfreie Tage eingeführt.
Eine gute Idee.
So kann man es sich mal anschauen und für sich entscheiden ob einem der Weg und der Eintritt die Sache wert ist. Museen sind nicht jedermans Sache und Geschichte kann fürchterlich langweilig sein.
In meiner Schulzeit gab es nur einen Lehrer der Geschichte spannend vermitteln konnte. Leider war sein Lieblingsthema der dritte Weltkrieg, aber wenn man zwischen den Zeilen zuhörte, konnte man durchaus das Grauen der Landser heraus hören.
Natürlich war bei ihm alles heroisch und seine Kampftruppe sowieso die Beste, aber es gab halt auch Worte wie Hunger, Kälte, Angst, Bombenlärm und Schmerz.

Okay zurück zur Varusschlacht und damit ins neunte Jahrhundert nach Christus.

Zunächst einmal waren an diesem Samstag fürchterlich viele Sonntagsfahrer unterwegs. Der eine bremste unvermittelt. Die nächsten schafften kaum die 40KM/H auf dem Tacho … trotz Dose. Ätzend. Einige Überholvorgänge später, verpasste ich die Einfahrt zum Museum … fuhr einen knappen Kilometer weiter und parkte dann an der Varus-Deele (= Varus-Diele).

Einem Landgasthof mit Stellplätze für Wohnmobile.
Besonders schick sah es aussen leider nicht aus. Alles etwas ungepflegt, aber egal, wir wollten ja erstmal nur parken, das Museum besuchen und danach vielleicht dort auf einen Tee einkehren.

Oben liegt die Bundesstrasse 218, auf der bei dem tollen Wetter auch ein paar echte Biker unterwegs waren um den Tag zu geniessen.

Für uns ging es Fuß zurück, entlang der Hauptstrasse zum Museum.
Was mir bis dahin gar nicht klar war, dass der Mittellandkanal direkt dort vorbei läuft.
Auf dem Bild ist hinten einer der fahrenden Frachter zu sehen.

Nachdem wir das Museum betreten hatten, konnten wir im hellen Vorraum, wo auch Kasse und Einlass ist, bereits einiges an Informationslektüre, Bücher, Spiele und Figuren entdecken.
Es fiel auf dass das Angebot auch die Jüngsten ansprechen soll und kann.
Für mich, als ebook-Leser waren besonders die Bücher interessant.
Die Bücher von Tommy Krappweis standen dort ebenfalls dabei, welcher in „MARA“ die Götter- und Sagenwelt der Germanen einbringt.
Die Verfiilmung wird wohl im April 2015 in die Kinos kommen.
Tommy Krappweis kennen die meisten aus „RTL Samstag Nacht“ und als Erfinder von „Bernd das Brot“.
Ich bin gespannt auf seine Triologie, die ich mir bereits zugelegt habe, welche aber noch warten muss, weil ich gerade „Die Bestimmung“ lese, dessen Film ich bereits angeschaut habe und spannend genug fand, um nun in die Tiefe zu gehen. Bücher sind halt Bücher und meist spannender, interessanter als die filmische Umsetzung.

Nachdem wir den Kassenbereich verlassen und uns eine „Laufkarte“ mitgenommen haben, ging es dann hinaus in die Kälte. smile

Aussen stehen überall Erklärungstafeln am Wegesrand, sodass man immer gut informiert wird, was hier zu sehen ist und auch wie es zu dem Fundstück kam, oder was es mit dem Kunstprojekt auf sich hat.

Direkt auffällig war auch der „Turm“, den ich erstmal nur als möglichen Ausguck wahrnahm, welcher sich dann aber als der museale Teil des Museum herausstellte, indem man mehr über die Geschichte, die Persönlichkeiten, die Künstler und auch über das dritte Reich erfahren kann, welches die Geschichte der Schlacht für ihren Nationalsozialismus teilweise missbrauchte.

Unterhalb des Turms befindet sich, geschützt, „das Botanikum“ welches zum verweilen einlädt.
Ich habe es mir nicht näher angesehen, da ich es im Winter fälschlicherweise nur für eine geschützte Ecke hielt. Mal schauen ob ich mir die 7,50€ Eintritt im Sommer leiste um mir das Ganze nochmals genauer anzuschauen.

Nachdem wir den Turm bestiegen hatten (genaugenommen fuhren wir mit dem
Aufzug hoch), konnten wir „unsere direkte Umgebung“ geniessen.

Man wohnt nicht wirklich schlecht zwischen Wiehengebirge und TeutoburgerWald.
Der „Dümmer See„, das Hermannsdenkmal, die Exter-Steine … all das liegt in mittelbarer Umgebung meines Wohnortes und durchaus auch mit dem Moped als Tagesfahrt anzunehmen.

Empfehlenswert ist auch der Abgang über die Treppe, auf der man sich gedanklich auf Kontroversen einstellen kann.

Zurück zum Museumsbesuchs.
Im Turm, befindet sich auch die grosse Ausstellung zur Varusschlacht und deren Fundstücke.

Bevor man den Museumstrack betritt, kann man die bereits erwähnte Geschichte und Erzählungen an einigen Schautafeln nachlesen. (Deutsch und Englisch).

Zwei hochinteressante Videos sind zu Beginn in einem Nebenraum zu sehen, die auch verdeutlichen dass alles anders sein könnte, wenn diese Schlacht nie stattgefunden, oder das römische Reich gewonnen hätte.
Was wäre dann? Würde es dann heissen „Wir sind das Volk“ für die Rechte aller Römer“?
Wie gesagt, ist alles in und auf dem Museumsgelände spannend und sehr tiefsinnig präsentiert und durchdacht. Man muss nur bereit sein sich damit zu beschäftigen und den eigenen Standpunkt zu verlassen.

Nachdem wir uns die Videos angeschaut und unsere Taschen in den Schliesschränken (1€ mitnehmen) verstaut hatten, ging es in die eigentliche innere Ausstellung.
Direkt zu Beginn läuft man entlang eines riesengrossem, beidseitigem „Wackelbild“ auf dem sich zur Linken und Rechten ein paar Kämpfer beider Lager „verstecken“.
Man muss sich schon ein wenig anstrengen um sie zu entdecken.
Leider ist es im Bild nicht zu erkennen, dass sich hinter dem rechten hellen Baum, linksseitig ein Krieger abzeichnet, der bei dem richtigen Blickwinkel deutlich zu erkennen wäre.

Jetzt, im Winter, wo kaum was los ist, kann man sich die Zeit und Ruhe nehmen um die Figuren zu suchen.
Wie das im Sommer, mit Horden von Kindern funktionieren soll ist mir schleierhaft.
Die paar Familien mit ihren Kindern verbreiteten bereits jetzt viel Hektik und vorallem Lärm (Kinder müssen halt fragen, rufen und auch ein bisschen herum tollen … und das ist gut so).
Die Informationen durch Schauschränke, aufziebare Schubladen, drehbare Infotafeln, Videos, Installationen sind so vielseitig und informativ erschlagend dass ich nicht einmal in dieser „Beinahe-Ruhe“ 50 Prozent dessen aufnehmen konnte, was mir das Museum bereit stellt.

Mittig nach dem Durchgang steht eine Abbildung der gefundenen Maske in Übergrösse.

Die Ausstellungsstücke kann ich unmöglich beschreiben.
Somit belasse ich es bei den Bildern und versuche nur das besondere zu erklären.

In der folgenden Installation findet ein Dialog zwischen „Varus und Arminius“ auf zwei Kugelbildschirmen statt, in deren Mitte man dem Gesprächsverlauf folgen kann. Es gibt drei mögliche Sprachverläufe, die ich mir allesamt nicht angehört habe, weil es durch die anderen Besucher doch sehr unruhig wurde (und weil ich nicht wusste was dort auf mich zukommt).

Eine weitere Installation ist der „Videoboden“ auf dem man einzelne Fundstücke durch begehen, offen legen kann.

Erwähnenswert ist auch noch die Umsetzung des Engpasses, durch den die Schlacht letztlich wohl auch entschieden wurde.

Im lichtdurchfluteten zweiten Raum, indem dieser Engpass zu sehen ist, steht auch die Nachbildung der römischen Armee.
Dargestellt durch tausende Figuren, in der Form, welche sie wohl beschritten haben.
Sehr eindrucksvoll.

Nicht so schön, aber wohl nicht zum umgehen, ist der Abdruck eines Vogels an der grossen Fensterfront, welcher wohl das Glas nicht gesehen hat.
*KannManNixMachen

Desweiteren befinden sich in diesem Raum jede Menge Münzen, Reste von Bekleidung und Knochen.

Weiter ging es dann in den dritten Saal, welcher sich auf dem 450qm grossen Ausstellungsbereich anschloss.

Und damit wurde der gut geheizte Innenbereich auch beendet … aber es gibt ja noch das Aussengelände.
Ja, ich weiß … ganz schön viel Text … aber hilft ja nichts. smile

Im Aussenbereich befinden sich viele Steinplatten, mit wichtigen Informationen, wie auch mit Anregungen um sich Gedanken über das Gesehene und die Geschehnisse zu machen. Insgesamt ist dieser Ort ein Platz um sein eigenes Denken und Handeln zu bewerten und sich neu zu positionieren.
Zeit muss man allerdings mitbringen. Sowohl für den Besuch, als auch für sich, währenddessen wie auch nachfolgend.

Aber zurück in die Kälte, die nun etwas ungemütlicher wurde, weil dunkle Wolken die Sonne teilweise vertreiben.
Hier ist eine Platten die man am Wegesrand entdeckt, auf dem Weg zum Pavillion „Fragen“.

Die drei Pavillons sind allesamt aus rostendem Metall erstellt, welches wohl einerseits die Stärke, als auch die Vergänglichkeit in Szene setzt.
Der Pavillion „Fragen“ lag zuerst auf unserem Weg

Der Pavillion „Hören“ liegt etwas verborgen und wurde durch uns nur entdeckt, weil die Bäume keine Blätter tragen (und weil wir dem Laufplan keine Beachtung schenkten ; ) ).

Tja …. und damit endet die Reise hier … denn sowohl mein Handy, als auch die Kamera haben keinen Saft mehr in den Akkus.
(Ich höre euer „Gottseidank“ bis hier hin ;) )

Der Pavillion „Sehen“, wie auch die Feuerstelle (von der ich allerdings enttäuscht war) und das derzeit geschlossene ArchäOmobil lagen noch auf unserer „Wanderstrecke“, bevor wir gut gelaunt aber hungrig und etwas verfroren das Gelände wieder verliessen.

Vielleicht ist es auch ganz gut das ich keine weiteren Bilder einstellen kann.
Somit könnt ihr euch euer eigenes Bild machen … und ich habe noch frisches Bildmaterial um mehr zu erzählen, wenn ich das Museum wieder besuche.

Beste Grüße,
der Micha

Freihandstickerei im Tuchmachermuseum Bramsche – und warum es okay ist wenn mein Ruf leidet

Am Sonntag hatte ich das Glück den Tuchmarkt im Tuchmachermuseum Bramsche besuchen zu dürfen.
Tolle Sache, davon gleich mehr … was mich aber umhaute war das Antreffen von Frau Heide Hielscher, die in ihrer Eigenschaft als Freihandstickerin ihre Arbeiten dort vor- und ausstellte.
Mein Ruf in der Freihandstickerei war bis jetzt recht gut und ich ruiniere ihn hiermit vollends, aber das ist hierfür auch gerechtfertigt.

An die Näh- und Stickmaschinen kam ich über den Umweg der Kunst. Mein Hauptaugenmerk liegt nicht im Nähen von Bekleidung, sondern halt in der Kunst (die mittlerweile etwas zu wenig von mir gepflegt wird).
Bei der Arbeit mit Pinsel und Farben in der Ölmalerei, verliess mich irgendwann die Muse (sie hatte wohl die Schnauze von meinem Dilettantismus voll)

und ich suchte jahrelang nach einem Neubeginn oder Ausgleich.

Irgendwann stiess ich dann auf Freihandstickereien (in Handstickereien hatte ich mich derweil schon versucht, fand aber keinen Zugang) und versuchte dieses mit einer W6 N 1235 (meinem Paulchen) umzusetzen.
Ich mache das rein des Hobby und der Liebe wegen. Ich verkaufe nichts, ich verschenke. Was mir und der beschenkten Person erneut Freude bringt.
Natürlich ist Nähen und vorallem Sticken teuer und passt so gar nicht zu meinen Einkünften aus magerer Rente und Grundsicherung … aber ich kenne kein Hobby was kein Geld kostet. Also, was soll ich tun? Mich in die Wohnung setzen und mich Tag und Nacht von den Deppensendungen auf den privaten Kanälen berieseln lassen, oder mein Leben minimalisiert führen und mich stattdessen der Kunst hingeben?!

Seither mag mich jedenfalls die Muse wieder und ich habe mich neu verlieben können.
In der Freihandstickerei arbeite ich mit einem 18er Handstickrahmen oder kleiner, nehme klebe-, auflage- und lösliche Vliese, benutze in der Regel eine Microtexnadel und verwende Stickgarne von Amann.

Wenn ich mich ans Freihandsticken setze achte ich auf eine störungsfreie Umgebung, ignoriere das Telefon (ist dann lautlos, der Anrufbeantworter ist ja an), stelle die Türklingel ab und lasse ein einfaches Hörspiel laufen. Kinderhörspiele (ohne Gesang) sind mir da am liebsten. Augsburgerpuppenkiste, die drei Fragezeichen, oder Märchen aus dem Europaverlag (der kleine Muck etc.).
Der einfache Grund: Ich muss mich nicht darauf konzentrieren und wenn ich was „verpasse“ ist das vollkommen egal.

Die ersten Stiche setze ich immer erst in einem Testrahmen.
Körper und Geist brauchen bei mir etwas Zeit um sich der Situation anzupassen.
Danach wechsel ich dann in den Entspannungsmodus und damit auch den Stickrahmen.
Bei der Arbeit an den Freihandstickereien lasse ich die Maschine führen und meditiere in der Bewegung.

Die Nadel ist unten, ich bin passiv, die Nadel ist oben ich werde aktiv.
Einatmen, ausatmen (natürlich nicht bei jedem Nadelhub!)
Ich arbeite in Geradstich oder ZickZack. Das kommt darauf an was ich Wie und Wo meine zu brauchen.
Beim ZickZack variiere ich die Stichbreite nach Bedarf durchgehend. Das geht mit den computergestützten Maschinen leider nicht ganz so einfach und flüssig wie mit den mechanischen, wo eine Hand am Stichbreitenregler bleiben kann.
Mein „Traum“ ist es eines Tages eine Juki mit Kniehebel für die Stichbreitenregelung zu besitzen.

Derzeit (seit Monaten, weil ich nicht daran weiter arbeite) sitze ich an einem Wandbehang für eine gute Bekannte.
Einen Vorentwurf habe ich in Kissenform bereits fertig gestellt.

Wer meinen Blog kennt und den Links folgt, stellt fest dass ich niemals an einem Tag eine Freihandstickerei fertig stelle.
Es ist ein Schaffensprozess der mich viele Stunden, Tage, Wochen begleitet und dennoch arbeite ich immer noch sehr grob.
Ich müsste mir noch sehr viel mehr Zeit nehmen, aber das würde bedeuten dass ich meine (meist virtuellen) Kontakte vernachlässigen würde und müsste. Das virtuelle Leben ist mir allerdings näher als das reale.
Ich bin nicht gerne unter Menschen, ich brauche Ruhe um mich herum und im virtuellen Sein habe ich diese Ruhe. Sicherlich schwer zu verstehen für Menschen die nicht die selbe Erkrankung wie ich haben. Ich würde auch lieber ein ganz „normales“ Leben führen, doch das ist mir verwehrt und nach all den Jahrzehnten habe ich es nun als Teil meinerselbst anerkannt.

Doch zurück zur Freihandstickerei … und damit zum Besuch des Tuchmarktes in Bramsche.
Es gibt in der Freihandstickerei ebenso wie in der Nähmalerei wirkliche Profis, die mich immer wieder neu inspirieren und durch ihr Tun mich teilhaben lassen an ihre Herangehensweisen, an die Kunst.
So auch beim Besuch im Tuchmachermuseum Bramsche (mit textilen Kunstmarkt).

Wir (ich war mit einer meiner lieben Expartnerinnen unterwegs) hatten an diesem Tag richtig Glück mit dem Wetter. Einer der letzten Sommertage für dieses Jahr, mit blauem Himmel und Temperaturen wo man die Jacken im Auto und die Ärmel hochkrempeln konnte. Wunderbar.
Das Tuchmachermuseum beginnt links hinter dem weissen Haus und erstreckt sich über viel Quadratmeter bis unter die Schornsteine. Wie man sieht war bereits alles gut zugeparkt. Der Parkplatz einer nahe gelegenen Klinik war frei nutzbar und somit unsere Wahl.

Einen kleinen Wehrmutstropfen gab es jedoch direkt am Eingang.
Als Rentner kann man auch hier seinen Rentnenausweis sonstwohin werfen. Rabatte für Renter werden auch dort nicht gewährt. Ausser diejenigen die Grundsicherung erhalten … aber sorry .. ich erhalte zwar Grundsicherung, aber ich laufe nicht meinem Bescheid darüber durch die Gegend. Schlimm genug dass ich bereits Rentner bin.
Sie reihen sich damit ein, in all die anderen Anbieter wie Kinos, Theater, dem Zoo und sonstiges. Bisher hätte ich nur im Schwimmbad damit einen Rabatt erhalten … aber ich gehe in keine Schwimmbäder.
Es zeigt sich sehr eindeutig welchen Stellenwert Rentner in diesem Land haben. Solange Du arbeitest bist Du uns Willkommen, aber als Rentner sieh bitte zu dass Du schnell und kostenfrei aus dem Leben tritts. Für uns bist Du nichts mehr wert.
Zur Ehrenrettung muss ich allerdings sagen, dass ein Eintrittspreis von fünf Euro akzeptabel ist (Schüler, Studenten, Arbeitslose (wie weist man das eigentlich nach?) erhalten „natürlich“ einen ermässigten Eintrittspreis.
Und damit ist mein Gemecker auch schon wieder zuende. smile

Wir hatten also unseren Zehner an Eintrittsgeld bezahlt und bekamen ein Bändchen angelegt damit wir, wenn wir im Vorhof eine Pause bei Kaffee (2€) und Kuchen (2,40€) machen wollten, wieder eintreten konnten. Gute Planung seitens der Museumsleitung und die MitarbeiterInnen waren dort ausnahmslos sehr freundlich, sodass man Lust bekam dieses Werk erneut zu besuchen.

Was ich erwartet hatte, war eine hohe Halle mit alten Maschinen, langweiligen verstaubten und kaum leserlichen Infoschildern (wenn überhaupt) und dazwischen halt ein paar kleine Stände.
Was ich erhielt, war ein hohes Gebäude, welches auf drei Ebenen ihre Maschinen präsentierte. Die Informationsschilder waren sauber, gut leserlich und alles andere als langweilig. Auch die Maschinen waren in sehr ordentlichem Zustand an die man auch herantreten durfte und wo niemand meckerte als ich hinter die Absperrung ging um Fotos zu machen … und es waren viele, sehr viele Maschinen.

Wie man sieht befinden sich Garne, Schiffchen, Werkzeuge, sowie halbfertige und fertige Gewebe an, auf und neben den Maschinen.
Klasse.
Dadurch wird das Ganze lebendig und man hat das Gefühl dass nach dem Tuchmarkt die nächste Schicht zur Arbeit antritt.

Hier ist die Spinnmaschine (heisst das so?) in Betrieb zu sehen.
Hier klicken
Quelle: Tuchmachermuseum

Ich brauche eine Führung und damit einen erneuten Besuch im Museum, um auch nur ansatzweise die Maschinen und deren genaue Funktion beschreiben zu können. Bei unserem Besuch habe ich mich aufs staunen und begehen konzentriert.
Und ich kam aus dem Staunen kaum heraus.

Auch die Stechuhr liess man, mit den entsprechenden Karten an ihrem Platz.

Die Stände waren links und rechts im Gang vor den Maschinen aufgebaut.
Wunderbare Dinge aus KünstlerInnenhand waren dort ausgestellt und zum Verkauf präsentiert worden.
Ich fotografiere allerdings nicht gerne die Stände, da ich niemandem seine/ihre Ideen stehlen möchte und natürlich auch niemanden auf den Bildern zeigen möchte, die sich dadurch in ihrer Privatsphäre gestört fühlen könnten.

Eines der ausgestellten Werke kann ich euch leider nur als Bild präsentieren. Ich finde die Visitenkarte der Künstler nicht mehr. Vielleicht kann mir das Tuchmachermuseum im Nachhinein dazu verhelfen, den Namen und damit vielleicht einen Link zu vervollständigen.

Dieser Schal, der als … tja wie soll ich das nennen? … als Weste, Überwurf, Bluse? … gebunden ist, war nur eines der Werke die man bestaunen durfte. Ich finde es genial. Und es gab sovieles Mehr zu sehen … aber wie gesagt, fotografiere ich nicht gerne die Stände.

Aus der vorderen Halle ging es dann am Ende des Ganges in einen weiteren kleinen Raum, wo eine Maschine zum weben von Jacquard steht.
Der Jacquardwebstuhl beeindruckt durch seine Größe und die scheinbare Unendlichkeit der „Fangnadeln“.

Wie man sieht werden die Muster per Lochkarten gesteuert. Unfassbar diese Technik.
Ein Jacquardaufsatz ist dort ebenfalls an der Wand aufgestellt.

Rechts vom Webstuhl steht der Schaftwebstuhl.

Für mich, als jemand der diese Maschinen noch nie gesehen hat, ist es ein unglaubliches Erlebnis.
Irgendwer setzte den Webstuhl dann etwas später mal in Gang … meine Herren, was für ein Lärm.
Und wenn man sich dann hochrechnet dass in der Fabrikhalle, über den Daumen gepeilt 30 Maschinen stehen, weiß ich auch wie hart, laut, geruchsintensiv und staubig diese Maloche war. Schreckliche Vorstellung.

Hier ist noch ein Anschauungsvideo des Schaftwebstuhles.
Hier klicken
Quelle: Tuchmachermuseum

Den weiteren Weg setzten wir dann auf der ersten Etage fort.

Rechts von meiner netten Begleitung steht ein „Simulator zum Spinnen“ im Gang.
Ich dachte immer das ich auch ohne Simulator kräftig spinne, aber …

… glaubt mal nicht dass ich mit dem Teil klar kam.
Drehen, ziehen, drücken, andersrum … boah watn Stress … und nach drei Versuchen, bei denen ich die simulierte Maschine auch dreimal Hops gehen liess, gab ich auf.
Etwas später sah ich ein junges Mädel daran stehen und „arbeiten“ … sie kam damit gut klar.
Was sagt uns das? Technik und Frauen passen manchmal doch sehr gut zusammen und Männer und Technik manchmal so gar nicht. ;)

Die Vielzahl der ausgestellten Maschinen ist schier unglaublich und ich liege wohl mit meiner Schätzung arg daneben.

Auf dieser Etage gab es auch einen Raum, der über Kopfhörer die Geschichte und Arbeitsweise der Tuchmacher von Bramsche erklärte.
Auch das habe ich diesesmal nur kurz zur Kenntniss genommen. Freue mich aber schon auf meinen nächsten Besuch, bei dem ich mich dann ganz der Technik hingeben möchte.

Einen der für mich „wichtigsten“ Räume hätte ich beinahe, neben der Treppe, übersehen.
Frau Hilde Hielscher hat dort ihre Freihandstickeren ausgestellt.
Ich musste mehrfach hinschauen, ob die Bilder gemalt oder gestickt waren.
Frau Hielscher arbeitet in Perfektion. Anders kann ich das nicht sagen.
Die Bilder sind mit Geradstich gearbeitet worden.

Leider wird nun mit dem Bild mein Ruf vollends ruiniert … aber Ehre wem sie gebührt und Frau Heide Hielscher gebührt diese Ehre absolut.

Ich möchte mich auf diesem Weg ausdrücklich dafür bedanken, dass ich dieses Foto für den Blog machen durfte.
Alle ihre Werke sind ausdrucksstark und fein gearbeitet. Etwas ganz besonderes, wie ich finde.
Und ich hoffe durch diese Inspiration ebenfalls langsam zum arbeiten mit Geradstich geführt worden zu sein.

Ihr merkt schon, welche Hochachtung ich für ihre Kunst entwickelt habe. smile

Danach brauchte ich zunächst einmal eine Pause bei Kaffee und Kuchen.
Im schönsten Sonnenschein, war das eine wahre Freude.
Draussen waren Tische und Bänke aufgebaut. Eine Ausstellerin zeigte ihre Werke aus Wolle und passend dazu war ein kleiner, offener Stall mit drei Schafen. Anschauungsunterricht am lebenden Objekt, mit Streichelzoocharakter.
Sehr schön.
Leider habe ich dort keine Bilder gemacht, weil einfach zuviel Personen im Bild gewesen wären.
Aber dieser Blogeintrag strotzt ja eh schon von visuellen Eindrücken, da macht das wohl nichts. ;)

Und Ja … es geht noch weiter … nämlich nach beschriebener Pause, ab in die zweite Etage.
Auch hier finden sich eine Vielzahl an Maschinen, Erklärungen und Aussteller.
Hochinterressant sind die Schaustücke, was woraus besteht.

Beim eintreten trifft man erst einmal auf die Grundmaterialien, wie Wolle-Leinen-Seide-Viskose-Polyester.

Danach trifft man auf den „Untersuchungstisch“ …

… an dessen Seiten auch Informationskästen zur Eigenabfrage angebracht sind.

Toll gemacht, oder?!

Mich haben auch die Bilder zur Eigenabfrage aus dem Mikroskop beeindruckt (und ich lag meistens sowas von daneben)

Man sucht vorne das Material, drückt den Knopf und das entsprechende Bild leuchtet auf.
Super Sache.
Hach ich komme immer noch ins schwärmen.

Im hinteren Teil ging es dann um die Geschichte und die Verwendung von technischen Textilien.

Banknoten? Was haben die da zu suchen?

(wer es nicht lesen kann)
Lumpen:
Geldscheine aus recycelten Textilien.
Basis: Naturfasern

Achja, klar … wo ich das las wurde es mir dann auch klar.
Natürlich waren noch sehr viel mehr Schaustücke ausgestellt und es wird sehr viel mehr erklärt, aber der Blogeintrag sprengt eh schon alle Grenzen. Wofür ich mich aber diesemal nicht entschuldige. smile

Im rechten Teil hatten dann wieder Künstler und Künstlerinnen, sowie der Handarbeitsverein Bramsche ihre Plätze bezogen.
Und auch hier habe ich keine Fotos gemacht (ich höre schon euer aufatmen, aber ich bin immer noch nicht ganz fertig) :P

Es war toll was dort überall zu sehen war und was man alles aus Garn und Wolle machen kann.
Inspiration ohne Ende. Wundervoll.

Doch damit gingen wir dann auch mal langsam wieder die Treppen herunter (es gibt auch einen Aufzug mit Vollverglasung) und schauten nochmal kurz bei Frau Hielscher hinein um meiner Begleiterin deren Werke zu zeigen.

Am Ende kaufte ich noch ein Andenken.
Das Schäffchen schaut ein wenig traurig …

… und im Nachheinein weiß ich warum. Ihr wurde das linke Ohr falsch herum angenäht. Achje … aber damit ist es ein absolutes Unikat ;)

Und damit beende ich meine Vorstellung und den Gang durch die Tuchmacherfabrik in Bramsche.
Den anschliessenden Besuch in Ikea und im Barfusspark Lienen erspare ich euch.
Ich hoffe es hat euch trotz der Fülle gefallen.
Für uns war es ein ganz besonders toller Tag.

Vielleicht trifft man sich ja mal dort. Es würde mich freuen.
euer Micha
Michael Andres Foto