Wie es damals begann – Mein Weg in die Datenwelt

​Moin … während mein System gerade damit beschäftigt ist die Kleinigkeit einer 2TB Partition in eine 3TB Partition zu vergrössern, nutze ich die Zeit um mal zu schauen was eigentlich aus meinen alten EDV-Zeiten wurde.

Nun, zu Beginn waren Plattengrössen die mit Terrabyte angegeben waren noch nicht einmal denkbar. Auch über Gigabyte dachte man nicht nach.

Mein Hauptrechner, der einer von sechs Rechnern war, die sich mehr oder weniger nebeneinander auf zwei Tische verteilten hatte sagenhafte 4MB RAM und zwei 250MB Platten.
Reines Profiequipment.
Gearbeitet wurde mit 486/66 CPUs in den Rechnern.
Das Ganze war dann in Servertowern verbaut. Sehr wuchtige Teile die gute Kühlung brachten.
Der Hauptserver hat mich damals um die 4500,00 DM gekostet.
Ein Vermögen was aber zu einer Zeit angeschafft wurde als Arbeit noch entsprechend bezahlt wurde.

Doch das war nicht mein Einstieg in die Datenwelt, sondern eher das Ende meiner „Tätigkeit“.

Ich war mit den Rechnern SysOP ( = Admin ) eines SearchLight Bulletin Board Systems. Das war/ist ein Mailboxsystem welches über Akkustikkoppler oder Modem eine Verbindung in die „Aussenwelt“ schafft.

Das InterNet war zu dieser Zeit (bzw. erst kurz vor der Einstellung meiner Mailbox) noch nicht für die Öffentlichkeit aufgeschaltet. InterNet gab es nur in den Universitäten und auch dort nur für spezielle Anwender.

Mailboxsysteme gab es reichlich, ich entschied mich mit meinem Freund für die SLBBS weil der damalige Support relativ gut war, das System bezahlbar blieb und die Konfiguration (auf DOS Ebene) überschaubar war.

Eine gute Liste der möglichen BBS Software gibt es hier <Klick mich>

Somit gingen dann damals zwei weitere Mailboxen in Düsseldorf an den Start (wobei die meines Freundes immer noch läuft)

Zurück zu meiner SLBBS:

Begonnen habe ich mit dem System auf meinem ersten 286er.

Vorher hatte ich einen CPC-664 mit 3 Diskettenlaufwerken. Was erwähnenswert ist, da es nicht der Regel entsprach.

Es war mir dadurch möglich, Daten direkt von A nach B zu kopieren, was die Anlage von Backups enorm beschleunigte wenn man sich vor Augen hält das mal eben ein Satz von 30 Disketten keine Seltenheit waren.

Danach kaufte ich dann einen PC-10 von IBM und dann kam der grosse PC-Einstieg mit besagtem 286er.

Für den Kauf habe ich jeweils hart und heftig arbeiten müssen (auch wenn die Gehälter damals weit über den jetzigen lagen).

Das erkunden der Möglichkeiten dieser unglaublich schnellen „Wunderkisten“ und die Zusammenarbeit mit einem damaligen Freund brachte mich schnell dazu mich mit anderen Gleichgesinnten in der Netzwelt auszutauschen.

Bis dahin und währenddessen war es üblich Briefe und Karten zu schreiben, so wie sich zu verabreden um sich zu unterhalten. Das Telefon gab es natürlich auch schon und die ersten C-Netz-„Mobil“-Telefone ebenfalls.

Das Handy wurde erst in der Mitte meines Mailboxbetriebes der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Mittels der Mailboxen war es nun aber auch möglich, elekronische Post zu senden, Treiber und sonstiges zu laden, sowie sich live mit mehreren zu unterhalten (Chat).

Einerseits genial und andererseits zum Grossteil nur uns Nerds vorbehalten.

Mit den Jahren und der Weiterverbreitung von PCs in die Haushalte, wuchs dann die Mitgliederschar immens an.

Mit der Verbreitung kamen auch die Probleme.

Die ersten Viren tauchten auf. Der CaosComputerClub bildete sich. Es wurden viele Batches in DOS geschrieben die das System sauber hielten.

Das alles brachte meinen Server an seine Grenzen und es gesellten sich nach und nach immer mehr Rechner dazu.

Mit den Rechnern wuchs auch der Bedarf an zusätzlichen Telefonleitungen, was die Telekom damals veranlasste mich als Geschäftskunde einzustufen.

Nun … 6 ISDN Leitungen brachten bei der Verlegung den Telekom-Techniker seinerzeit jedenfalls sehr ins schwitzen. Glasfaser gab es nur zwischen Universitäten und Regierungsgebäude. Von DSL war weit und breit noch kein Reden.

Leider sind durch die diversen Umzüge meine (Papier-)Fotos abhanden gekommen … aber so in etwa sah es auch bei mir aus:

verlinkte Bildquelle: 64er Online

Ein Schreibtischstuhl mit Rollen war absolut unverzichtbar.

Bigtowergehäuse waren zwingend um die vielen Platten unterzubringen und um die Systeme zu kühlen.

Wohlgemerkt war das maximalste aller Gefühle Megabyteplatten (allerdings wurden darauf auch keine Filme abgelegt da VHS Videorecorder der Stand der Dinge waren.

Programme wurden zum Grossteil noch auf 5¼ oder 3½ Zoll Disketten geliefert. Windows gab es aber schon auf CD.

Installationsorgien waren nervtötend, wenn man beim einspielen von Diskette 15 einen Lesefehler erhielt und man das Ganze nochmal oder gar nicht fortsetzen durfte.

Nein, mit den heutigen Lese-/Schreibgeschwindigkeiten hatte das damals nichts zu tun. ;)

Die UserInnen auf meiner BBS durften mich auch auf meiner Privatleitung anrufen. Den Grossteil kannte man also persönlich oder zumindest vom Telefon. Das ist heutzutage undenkbar.

Eine „typische“ Oberfläche für den User, wenn er mich erreichen wollte, sah dann so aus:

verlinkte Bildquelle mit mehr Bildern <Klick mich>

Damit man nicht als SysOP 24/7 auf den Monitor schauen musste, wurde es grossteils durch eine Tonfolge des PCs akustisch weiter gegeben, konnte aber  auch als ein Anklingeln über die ISDN-Anlage an ein Telefon weiter gereicht werden.

Der SysOP (SystemOperator) konnte auch erreichbare Zeiten an-/abschalten.
Die User konnten sich bei Problemen direkt an den SysOP wenden. Geschah dieses ausserhalb der „Sprechzeiten“ erhielt ich eine Meldung auf dem Schirm das UserXY mich um ZZ sprechen wollte.
Somit konnte ich dann in der Folge nachfragen was es denn für ein Problem gab, oder es halt lassen und warten ob sich der User erneut meldet.
An diesem System hat sich auch heute kaum etwas verändert wenn man kein Callcenter mit der Betreuung beauftragt hat.

Damit man von „aussen“ überhaupt wusste wo man eine solche Mailbox fand, wurden Mailboxlisten in diversen PC-Magazinen und natürlich auf den Mailboxen veröffentlicht.

Selbstverständlich führte auch meine Mailbox eine mehr oder weniger aktuelle Liste weiterer Einwahlrufnummern.

Ein Yahoo/Google und andere Suchmaschinen gab es zu den Anfangszeiten noch nicht.

Ich bevorzugte neben der SLBBS an sich zur Datenübertragung Modems von Zyxel und Robotics. Welche, wie ich gerade recherchiert habe, immer noch in den Kleinanzeigen gebraucht verkauft werden.

Neben dem Austausch innerhalb diverser Mailboxen (Foren) gab es dann irgendwann auch das Fido-Netz (welches auch heute noch besteht).

Mit den Jahren übernahm ich dann 1992 für eine kurze Zeit den Part eines Node (=Knotenpunkt) bei dem sich die umliegenden Nutzer des Netzes ihre Post abholen konnten und über dessen Leitung sie miteinander verknüpft wurden.

Letztlich lernte ich meine damalige Ehefrau über die Mailbox kennen

Die Kontakte zu den Usern waren also auch damals bereits teilweise sehr persönlicher Natur.

Je mehr ich heute in die Materie (wieder) einsteige, desto mehr reizt es mich wieder eine BBS zu betreiben.

Mal schauen.

Diesen Eintrag werde ich nach und nach weiter bearbeiten und diverses verlinken und ergänzen.
Die Erinnerung an Dinge die Jahrzehnte zurück liegen muss erst einmal Stück für Stück wieder aktiviert werden.

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