Die Freihandstickerei Challenge ging in die nächste Runde

Moin ihr Lieben,

während nun im Fernsehen die fünfzigste Superbowl übertragen wird und meine Nacht zum Tage macht, nutze ich die Zeit (bis morgens um knapp fünf Uhr) um diesen Blogeintrag einzutippern.
Eigentlich sagen mir meine Äuglein bereits das ich zu müde bin und ins Bett sollte … aber … mal sehen ;)

Wie bereits im Vorbeitrag zur Challenge mitgeteilt, bin ich mit dem Ergebnis alles andere als zufrieden.
Das Motiv ist wirklich schwer und aufwändig.
Erschwerend kommt hinzu das ich viel zu wenig verschiedene Stickgarnfarben habe.
Nun denn … eine Herausforderung … eine Challenge halt.

So unzufrieden konnte ich es nicht abliefern und ich entschied mich, nach zwei Tagen Betrachtung und Überlegungen, es erneut zu sticken.
Wie immer steht vor der Kür die Pflicht und ich musste erneut die Vorzeichnung auf das Gewebe übertragen.
Dabei beschränke ich mich auf das notwendigste und möglichst gerade Linien (mit Linealunterstützung) um beim sticken immer einen Blick auf die Richtung nehmen zu können.

Zur Verdeutlichung: Wenn ich das Wasser von unten nach oben sticken lasse, wird es auf dem Bild auch aussehen als würde es nach oben fliessen (bzw. nach unten fallen). Ebenso muss ich die Richtung auch beim Himmel einhalten.
Die einzige Ausnahme die ich machte, waren die Pfeiler des Steges und beim Geländer.
Wildes Hin und Her nur um Flächen zu füllen machen ein Bild ebenso unruhig und sind zu vermeiden.

Die Idee war gut, aber bei der Ausführung unterlief mir ein böser Anfängerfehler der dazu führte das sich das Gewebe während der ersten Fläche in sich verzog.
Am oberen Rand sieht man bereits den Verzug. Das ist an dieser Stelle noch minimal, führt aber bei der Gesamtfläche zu immer enger werdenden Falten und damit auch zum beulen des Bildes.

Doch anstatt es hinzunehmen, zu vernichten und noch einmal zu beginnen kam der Sparfuchsteufel vorbei und erzählte mir was von der teuren Verschwendung meines Stickgarnes.
Ausserdem war mir der Farbverlauf so gut gelungen das ich in dem Überschwall der Gefühle meine eigenen Warnungen ausschlug.
Also machte ich weiter. Wider besseren Wissens und Gewissens und … ihr ahnt es schon, habe ich ein böse gewölbtes Endergebnis.
Selbst Schuld.
Bis es soweit war musste die Maschine allerdings kräftig zeigen was sie kann. Ebenso war bei mir Durchhaltevermögen, Rückenstrecken und Augenentlastung angesagt.

Das man während der Arbeit in Sekundenschlaf verfallen kann war mir dann auch neu. Jedoch zeigte es mir auch das ich diese Arbeit wirklich meditativ ausführe.
Etwas erschrocken war ich dennoch, denn ich liess die Maschine ohne Fussanlasser laufen und die Finger sind doch arg nah an der flitzenden Nadel.

Hier sieht man nun sehr gut wie sehr sich das Gewebe immer weiter zusammen zog.
Ausgleichen lässt es sich nur indem man die Falten mit viel Druck auseinander hält und dann von der Mitte nach aussen und nach oben Stück für Stück die Falten in den Seitenbereich treibt.
Dennoch beult sich das Gewebe dadurch von Linie zu Linie mehr in sich selbst.
Entspanntes Arbeiten ist das nicht wirklich, aber so ist das halt.
Hätte ich mit Stickrahmen gearbeitet wäre es nicht passiert … Hätte Wenn und Aber … ;)

Diesesmal wollte ich definitiv mehr auf die Farben des Sonnenunterganges setzen und mich etwas mehr an die Vorlage halten.
Ganz geglückt ist es mir schon aufgrund der fehlenden Farben nicht, aber daran lag es nicht nur.
Mir fehlt auch die Erfahrung Farben ineinander verlaufen zu lassen.
Ich lasse mich schnell von einer leeren Fläche die lediglich mit hauchfeinen Stickstrichen gefüllt wird unter Druck setzen und neige dann dazu etwas breitere Striche (durch versetztes Vor- und Zurückschieben des Gewebes) zu setzen.
Das füllt zwar die Fläche, lässt aber die Farben kaum ineinander verlaufen.
Da ist also noch viel Potenzial nach oben, was die Feinheiten betrifft.

Immer wieder ging ich an den Rechner um die Vorlage in Farbe zu sehen um meine paar Farben halbwegs sinnig einzusetzen.

Die Pastelltechnik aus der Vorlage konnte ich nicht umsetzen und musste meine Möglichkeiten nutzen.

Trotz der fortschreitenden Probleme mit dem Gewebe bin ich mit meiner Umsetzung durchaus zufrieden.

Übrigens schaute derweil mein Arbeitsplatz so aus …

Tja … und wie das so ist, funktioniert manchmal die Technik nicht so das ich keine weiteren Arbeitsschritte vom unteren Teil der Arbeit präsentieren kann.

Das Endergebnis präsentiere ich am 27ten und 28ten Februar, wo ich euch dann jeweils die Vorlage und das Stickbild zeigen werde.
Bis dahin mache ich mir noch ein paar Gedanken darum was ich aus dem verbeulten Bild nähen könnte.

Liebste Grüße,
der Micha

PS/ Es ist erst nulluhrdreiundvierzig und ich fürchte mal das die Footballer ohne mich klar kommen müssen. ;)

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Eine Freihandstickerei Challenge ist im Gange

Moin,

es ist zwar ruhig bei mir im Blog, aber nicht auf dem Nähtisch.
Viel ist passiert in der letzten Zeit. Tische wurden umgestellt und andere entsorgt. Ich brauchte mehr Bewegungsplatz.

Gleichsam kam mir der Gedanke das ich meine eigene Motivitation vielleicht durch ein gemeinsames Projekt mit einer von mir hoch geschätzten Freihandstickerin erneut anfachen könnte.
So entstand der Gedanke eine gemeinsame Aufgabe mit selbem Motiv und festem „Abgabetermin“ in DIN-A4 zu starten.

Die liebe Christine von „Dalin Sali“ war auch schnell dafür zu begeistern.
Das WasWieWann war auch recht schnell abgesprochen und Stefan von „Zeitblick-Foto“ war so freundlich uns ein Bild zur Verfügung zu stellen.

Christine hat dieses Bild als Vorschlag unterbreitet und ich war sofort Feuer und Flamme dafür.
Allerdings stellt die Umsetzung mich vor eine hohe Herausforderung, die ich im ersten Durchgang nicht erfüllen konnte.

Der Abgabetermin ist für Ende Februar 2016 gesetzt und somit werde ich hier noch keine Gesamtansicht, aber ein paar kleine Ausschnitte des ersten Durchganges präsentieren.

Begonnen habe ich mit einem Ausdruck und der Übertragung der Konturen auf das feste, nicht elastische dunkelbraune Baumwollgewebe.

Danach wurde die „Vorzeichnung“ herausgearbeitet und dann die Flächen gefüllt.

Mitten in der Arbeit gab dann Paulchen² den Geist auf und blockiert seitdem komplett im Gestänge. Die Maschine muss also auf den OP-Tisch von W6 und ich arbeite nun mit einer prozessorgesteuerten weiter, an dessen Arbeitsweise ich mich erst einmal eingewöhnen musste.

Entgegen meiner sonstigen Arbeitsweise Flächen mit ZickZackStich zu füllen entschied ich mich dieses Mal für einen reinen Geradstich. Sehr aufwändig, sehr langwierig, aber als Gesamtwerk  passend zum Motiv.

Hinweis:
Beim Freihandsticken im Geradstich ist zwingend eine Richtung beizubehalten. Entweder insgesamt oder dem Motiv angepasst. Querbeet sticken um Flächen zu füllen macht das Bild sehr unruhig.

Leider habe ich mich zu sehr von meiner Vorstellung des Bildaufbaus verleiten lassen und verlor dabei das Gesamtergebnis aus den Augen, weshalb ich mit dem Ergebniss letztlich nicht zufrieden bin.

Ich habe mir dann gestern vier Meinungen von „Nichtnäherinnen“ eingeholt um zu überprüfen ob meine Kritik auch die der Betrachtenden ist.
Die Idee war gut, die Antworten nur nicht. Oder war es anders herum? ;)
Nun. Ich erhielt natürlich, wie konnte es anders sein, von Zweien ein „Wunderschön, ABER Hier und Da passt es nicht …“ und von den anderen beiden ein „Ohhh wie wunderschön. Genauso ist es richtig.“

Es hätte mir klar sein müssen. Kunst und Betrachter halt.
Kurzum es half mir auch nicht weiter und ich entschied doch selber was damit zu tun ist.
Gestern am späten Abend hatte ich dann das Motiv erneut übertragen und sitze seitdem an der Umsetzung der zweiten Stickerei von Stefans „Nebelwand“ welches am Strandbad-Steg in Friedrichshafen aufgenommen wurde.

Gestickt wird übrigens wie beinahe immer mit Amanns Isacord.
Mein Unterfadenverbrauch beim ersten Bild waren knapp 30 Spulen.
Ein Wahnsinn was dabei an Garn drauf geht.

So schaut der Neubeginn aus:

Sooo und damit verabschiede mich wieder an die Maschine.
Herzlichst,
euer Micha

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Freihandstickerei im Tuchmachermuseum Bramsche – und warum es okay ist wenn mein Ruf leidet

Am Sonntag hatte ich das Glück den Tuchmarkt im Tuchmachermuseum Bramsche besuchen zu dürfen.
Tolle Sache, davon gleich mehr … was mich aber umhaute war das Antreffen von Frau Heide Hielscher, die in ihrer Eigenschaft als Freihandstickerin ihre Arbeiten dort vor- und ausstellte.
Mein Ruf in der Freihandstickerei war bis jetzt recht gut und ich ruiniere ihn hiermit vollends, aber das ist hierfür auch gerechtfertigt.

An die Näh- und Stickmaschinen kam ich über den Umweg der Kunst. Mein Hauptaugenmerk liegt nicht im Nähen von Bekleidung, sondern halt in der Kunst (die mittlerweile etwas zu wenig von mir gepflegt wird).
Bei der Arbeit mit Pinsel und Farben in der Ölmalerei, verliess mich irgendwann die Muse (sie hatte wohl die Schnauze von meinem Dilettantismus voll)

und ich suchte jahrelang nach einem Neubeginn oder Ausgleich.

Irgendwann stiess ich dann auf Freihandstickereien (in Handstickereien hatte ich mich derweil schon versucht, fand aber keinen Zugang) und versuchte dieses mit einer W6 N 1235 (meinem Paulchen) umzusetzen.
Ich mache das rein des Hobby und der Liebe wegen. Ich verkaufe nichts, ich verschenke. Was mir und der beschenkten Person erneut Freude bringt.
Natürlich ist Nähen und vorallem Sticken teuer und passt so gar nicht zu meinen Einkünften aus magerer Rente und Grundsicherung … aber ich kenne kein Hobby was kein Geld kostet. Also, was soll ich tun? Mich in die Wohnung setzen und mich Tag und Nacht von den Deppensendungen auf den privaten Kanälen berieseln lassen, oder mein Leben minimalisiert führen und mich stattdessen der Kunst hingeben?!

Seither mag mich jedenfalls die Muse wieder und ich habe mich neu verlieben können.
In der Freihandstickerei arbeite ich mit einem 18er Handstickrahmen oder kleiner, nehme klebe-, auflage- und lösliche Vliese, benutze in der Regel eine Microtexnadel und verwende Stickgarne von Amann.

Wenn ich mich ans Freihandsticken setze achte ich auf eine störungsfreie Umgebung, ignoriere das Telefon (ist dann lautlos, der Anrufbeantworter ist ja an), stelle die Türklingel ab und lasse ein einfaches Hörspiel laufen. Kinderhörspiele (ohne Gesang) sind mir da am liebsten. Augsburgerpuppenkiste, die drei Fragezeichen, oder Märchen aus dem Europaverlag (der kleine Muck etc.).
Der einfache Grund: Ich muss mich nicht darauf konzentrieren und wenn ich was „verpasse“ ist das vollkommen egal.

Die ersten Stiche setze ich immer erst in einem Testrahmen.
Körper und Geist brauchen bei mir etwas Zeit um sich der Situation anzupassen.
Danach wechsel ich dann in den Entspannungsmodus und damit auch den Stickrahmen.
Bei der Arbeit an den Freihandstickereien lasse ich die Maschine führen und meditiere in der Bewegung.

Die Nadel ist unten, ich bin passiv, die Nadel ist oben ich werde aktiv.
Einatmen, ausatmen (natürlich nicht bei jedem Nadelhub!)
Ich arbeite in Geradstich oder ZickZack. Das kommt darauf an was ich Wie und Wo meine zu brauchen.
Beim ZickZack variiere ich die Stichbreite nach Bedarf durchgehend. Das geht mit den computergestützten Maschinen leider nicht ganz so einfach und flüssig wie mit den mechanischen, wo eine Hand am Stichbreitenregler bleiben kann.
Mein „Traum“ ist es eines Tages eine Juki mit Kniehebel für die Stichbreitenregelung zu besitzen.

Derzeit (seit Monaten, weil ich nicht daran weiter arbeite) sitze ich an einem Wandbehang für eine gute Bekannte.
Einen Vorentwurf habe ich in Kissenform bereits fertig gestellt.

Wer meinen Blog kennt und den Links folgt, stellt fest dass ich niemals an einem Tag eine Freihandstickerei fertig stelle.
Es ist ein Schaffensprozess der mich viele Stunden, Tage, Wochen begleitet und dennoch arbeite ich immer noch sehr grob.
Ich müsste mir noch sehr viel mehr Zeit nehmen, aber das würde bedeuten dass ich meine (meist virtuellen) Kontakte vernachlässigen würde und müsste. Das virtuelle Leben ist mir allerdings näher als das reale.
Ich bin nicht gerne unter Menschen, ich brauche Ruhe um mich herum und im virtuellen Sein habe ich diese Ruhe. Sicherlich schwer zu verstehen für Menschen die nicht die selbe Erkrankung wie ich haben. Ich würde auch lieber ein ganz „normales“ Leben führen, doch das ist mir verwehrt und nach all den Jahrzehnten habe ich es nun als Teil meinerselbst anerkannt.

Doch zurück zur Freihandstickerei … und damit zum Besuch des Tuchmarktes in Bramsche.
Es gibt in der Freihandstickerei ebenso wie in der Nähmalerei wirkliche Profis, die mich immer wieder neu inspirieren und durch ihr Tun mich teilhaben lassen an ihre Herangehensweisen, an die Kunst.
So auch beim Besuch im Tuchmachermuseum Bramsche (mit textilen Kunstmarkt).

Wir (ich war mit einer meiner lieben Expartnerinnen unterwegs) hatten an diesem Tag richtig Glück mit dem Wetter. Einer der letzten Sommertage für dieses Jahr, mit blauem Himmel und Temperaturen wo man die Jacken im Auto und die Ärmel hochkrempeln konnte. Wunderbar.
Das Tuchmachermuseum beginnt links hinter dem weissen Haus und erstreckt sich über viel Quadratmeter bis unter die Schornsteine. Wie man sieht war bereits alles gut zugeparkt. Der Parkplatz einer nahe gelegenen Klinik war frei nutzbar und somit unsere Wahl.

Einen kleinen Wehrmutstropfen gab es jedoch direkt am Eingang.
Als Rentner kann man auch hier seinen Rentnenausweis sonstwohin werfen. Rabatte für Renter werden auch dort nicht gewährt. Ausser diejenigen die Grundsicherung erhalten … aber sorry .. ich erhalte zwar Grundsicherung, aber ich laufe nicht meinem Bescheid darüber durch die Gegend. Schlimm genug dass ich bereits Rentner bin.
Sie reihen sich damit ein, in all die anderen Anbieter wie Kinos, Theater, dem Zoo und sonstiges. Bisher hätte ich nur im Schwimmbad damit einen Rabatt erhalten … aber ich gehe in keine Schwimmbäder.
Es zeigt sich sehr eindeutig welchen Stellenwert Rentner in diesem Land haben. Solange Du arbeitest bist Du uns Willkommen, aber als Rentner sieh bitte zu dass Du schnell und kostenfrei aus dem Leben tritts. Für uns bist Du nichts mehr wert.
Zur Ehrenrettung muss ich allerdings sagen, dass ein Eintrittspreis von fünf Euro akzeptabel ist (Schüler, Studenten, Arbeitslose (wie weist man das eigentlich nach?) erhalten „natürlich“ einen ermässigten Eintrittspreis.
Und damit ist mein Gemecker auch schon wieder zuende. smile

Wir hatten also unseren Zehner an Eintrittsgeld bezahlt und bekamen ein Bändchen angelegt damit wir, wenn wir im Vorhof eine Pause bei Kaffee (2€) und Kuchen (2,40€) machen wollten, wieder eintreten konnten. Gute Planung seitens der Museumsleitung und die MitarbeiterInnen waren dort ausnahmslos sehr freundlich, sodass man Lust bekam dieses Werk erneut zu besuchen.

Was ich erwartet hatte, war eine hohe Halle mit alten Maschinen, langweiligen verstaubten und kaum leserlichen Infoschildern (wenn überhaupt) und dazwischen halt ein paar kleine Stände.
Was ich erhielt, war ein hohes Gebäude, welches auf drei Ebenen ihre Maschinen präsentierte. Die Informationsschilder waren sauber, gut leserlich und alles andere als langweilig. Auch die Maschinen waren in sehr ordentlichem Zustand an die man auch herantreten durfte und wo niemand meckerte als ich hinter die Absperrung ging um Fotos zu machen … und es waren viele, sehr viele Maschinen.

Wie man sieht befinden sich Garne, Schiffchen, Werkzeuge, sowie halbfertige und fertige Gewebe an, auf und neben den Maschinen.
Klasse.
Dadurch wird das Ganze lebendig und man hat das Gefühl dass nach dem Tuchmarkt die nächste Schicht zur Arbeit antritt.

Hier ist die Spinnmaschine (heisst das so?) in Betrieb zu sehen.
Hier klicken
Quelle: Tuchmachermuseum

Ich brauche eine Führung und damit einen erneuten Besuch im Museum, um auch nur ansatzweise die Maschinen und deren genaue Funktion beschreiben zu können. Bei unserem Besuch habe ich mich aufs staunen und begehen konzentriert.
Und ich kam aus dem Staunen kaum heraus.

Auch die Stechuhr liess man, mit den entsprechenden Karten an ihrem Platz.

Die Stände waren links und rechts im Gang vor den Maschinen aufgebaut.
Wunderbare Dinge aus KünstlerInnenhand waren dort ausgestellt und zum Verkauf präsentiert worden.
Ich fotografiere allerdings nicht gerne die Stände, da ich niemandem seine/ihre Ideen stehlen möchte und natürlich auch niemanden auf den Bildern zeigen möchte, die sich dadurch in ihrer Privatsphäre gestört fühlen könnten.

Eines der ausgestellten Werke kann ich euch leider nur als Bild präsentieren. Ich finde die Visitenkarte der Künstler nicht mehr. Vielleicht kann mir das Tuchmachermuseum im Nachhinein dazu verhelfen, den Namen und damit vielleicht einen Link zu vervollständigen.

Dieser Schal, der als … tja wie soll ich das nennen? … als Weste, Überwurf, Bluse? … gebunden ist, war nur eines der Werke die man bestaunen durfte. Ich finde es genial. Und es gab sovieles Mehr zu sehen … aber wie gesagt, fotografiere ich nicht gerne die Stände.

Aus der vorderen Halle ging es dann am Ende des Ganges in einen weiteren kleinen Raum, wo eine Maschine zum weben von Jacquard steht.
Der Jacquardwebstuhl beeindruckt durch seine Größe und die scheinbare Unendlichkeit der „Fangnadeln“.

Wie man sieht werden die Muster per Lochkarten gesteuert. Unfassbar diese Technik.
Ein Jacquardaufsatz ist dort ebenfalls an der Wand aufgestellt.

Rechts vom Webstuhl steht der Schaftwebstuhl.

Für mich, als jemand der diese Maschinen noch nie gesehen hat, ist es ein unglaubliches Erlebnis.
Irgendwer setzte den Webstuhl dann etwas später mal in Gang … meine Herren, was für ein Lärm.
Und wenn man sich dann hochrechnet dass in der Fabrikhalle, über den Daumen gepeilt 30 Maschinen stehen, weiß ich auch wie hart, laut, geruchsintensiv und staubig diese Maloche war. Schreckliche Vorstellung.

Hier ist noch ein Anschauungsvideo des Schaftwebstuhles.
Hier klicken
Quelle: Tuchmachermuseum

Den weiteren Weg setzten wir dann auf der ersten Etage fort.

Rechts von meiner netten Begleitung steht ein „Simulator zum Spinnen“ im Gang.
Ich dachte immer das ich auch ohne Simulator kräftig spinne, aber …

… glaubt mal nicht dass ich mit dem Teil klar kam.
Drehen, ziehen, drücken, andersrum … boah watn Stress … und nach drei Versuchen, bei denen ich die simulierte Maschine auch dreimal Hops gehen liess, gab ich auf.
Etwas später sah ich ein junges Mädel daran stehen und „arbeiten“ … sie kam damit gut klar.
Was sagt uns das? Technik und Frauen passen manchmal doch sehr gut zusammen und Männer und Technik manchmal so gar nicht. ;)

Die Vielzahl der ausgestellten Maschinen ist schier unglaublich und ich liege wohl mit meiner Schätzung arg daneben.

Auf dieser Etage gab es auch einen Raum, der über Kopfhörer die Geschichte und Arbeitsweise der Tuchmacher von Bramsche erklärte.
Auch das habe ich diesesmal nur kurz zur Kenntniss genommen. Freue mich aber schon auf meinen nächsten Besuch, bei dem ich mich dann ganz der Technik hingeben möchte.

Einen der für mich „wichtigsten“ Räume hätte ich beinahe, neben der Treppe, übersehen.
Frau Hilde Hielscher hat dort ihre Freihandstickeren ausgestellt.
Ich musste mehrfach hinschauen, ob die Bilder gemalt oder gestickt waren.
Frau Hielscher arbeitet in Perfektion. Anders kann ich das nicht sagen.
Die Bilder sind mit Geradstich gearbeitet worden.

Leider wird nun mit dem Bild mein Ruf vollends ruiniert … aber Ehre wem sie gebührt und Frau Heide Hielscher gebührt diese Ehre absolut.

Ich möchte mich auf diesem Weg ausdrücklich dafür bedanken, dass ich dieses Foto für den Blog machen durfte.
Alle ihre Werke sind ausdrucksstark und fein gearbeitet. Etwas ganz besonderes, wie ich finde.
Und ich hoffe durch diese Inspiration ebenfalls langsam zum arbeiten mit Geradstich geführt worden zu sein.

Ihr merkt schon, welche Hochachtung ich für ihre Kunst entwickelt habe. smile

Danach brauchte ich zunächst einmal eine Pause bei Kaffee und Kuchen.
Im schönsten Sonnenschein, war das eine wahre Freude.
Draussen waren Tische und Bänke aufgebaut. Eine Ausstellerin zeigte ihre Werke aus Wolle und passend dazu war ein kleiner, offener Stall mit drei Schafen. Anschauungsunterricht am lebenden Objekt, mit Streichelzoocharakter.
Sehr schön.
Leider habe ich dort keine Bilder gemacht, weil einfach zuviel Personen im Bild gewesen wären.
Aber dieser Blogeintrag strotzt ja eh schon von visuellen Eindrücken, da macht das wohl nichts. ;)

Und Ja … es geht noch weiter … nämlich nach beschriebener Pause, ab in die zweite Etage.
Auch hier finden sich eine Vielzahl an Maschinen, Erklärungen und Aussteller.
Hochinterressant sind die Schaustücke, was woraus besteht.

Beim eintreten trifft man erst einmal auf die Grundmaterialien, wie Wolle-Leinen-Seide-Viskose-Polyester.

Danach trifft man auf den „Untersuchungstisch“ …

… an dessen Seiten auch Informationskästen zur Eigenabfrage angebracht sind.

Toll gemacht, oder?!

Mich haben auch die Bilder zur Eigenabfrage aus dem Mikroskop beeindruckt (und ich lag meistens sowas von daneben)

Man sucht vorne das Material, drückt den Knopf und das entsprechende Bild leuchtet auf.
Super Sache.
Hach ich komme immer noch ins schwärmen.

Im hinteren Teil ging es dann um die Geschichte und die Verwendung von technischen Textilien.

Banknoten? Was haben die da zu suchen?

(wer es nicht lesen kann)
Lumpen:
Geldscheine aus recycelten Textilien.
Basis: Naturfasern

Achja, klar … wo ich das las wurde es mir dann auch klar.
Natürlich waren noch sehr viel mehr Schaustücke ausgestellt und es wird sehr viel mehr erklärt, aber der Blogeintrag sprengt eh schon alle Grenzen. Wofür ich mich aber diesemal nicht entschuldige. smile

Im rechten Teil hatten dann wieder Künstler und Künstlerinnen, sowie der Handarbeitsverein Bramsche ihre Plätze bezogen.
Und auch hier habe ich keine Fotos gemacht (ich höre schon euer aufatmen, aber ich bin immer noch nicht ganz fertig) :P

Es war toll was dort überall zu sehen war und was man alles aus Garn und Wolle machen kann.
Inspiration ohne Ende. Wundervoll.

Doch damit gingen wir dann auch mal langsam wieder die Treppen herunter (es gibt auch einen Aufzug mit Vollverglasung) und schauten nochmal kurz bei Frau Hielscher hinein um meiner Begleiterin deren Werke zu zeigen.

Am Ende kaufte ich noch ein Andenken.
Das Schäffchen schaut ein wenig traurig …

… und im Nachheinein weiß ich warum. Ihr wurde das linke Ohr falsch herum angenäht. Achje … aber damit ist es ein absolutes Unikat ;)

Und damit beende ich meine Vorstellung und den Gang durch die Tuchmacherfabrik in Bramsche.
Den anschliessenden Besuch in Ikea und im Barfusspark Lienen erspare ich euch.
Ich hoffe es hat euch trotz der Fülle gefallen.
Für uns war es ein ganz besonders toller Tag.

Vielleicht trifft man sich ja mal dort. Es würde mich freuen.
euer Micha
Michael Andres Foto

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Jennifer Collier – Artwork

Während wir uns mit Nadel und Garn bewaffnet zu unseren Stoffen bewegen,könnte ein Satz von Frau Collier lauten „Ich nähe mir ersteinmal eine Nähmaschine … aus Papier“

Was diese Frau mit ihrer vernähten Papierkunst zaubert ist unglaublich.
Hier, mit freundlicher Genehmigung, eine Probe ihres Könnens:

(Bildrechte bei Jennifer Collier – Credits by Jennifer Collier)

Weiteres findest Du auf der Webpräsenz von Jennifer Collier.

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Jede Menge Stoffe und Servietten

Heute bekam ich Besuch von Elke, welche mir zwei grosse Tüten Übungsstoff brachte.
Von Baumwolle über Samt, bis hin zur Seide und zum Tüll war alles dabei. Ausserdem war noch Vlies und Taft dabei.

Mit den verschiedenen Bändern und der Spitze kann ich mich dann in Applikationen üben.
Elkes Mutti gab mir noch eine Dose Abstecknadeln mit und Elkes Lehrbücher fanden ebenfalls ihren Weg zu mir.
Uralte Schätzchen die ich in Ruhe lesen werde.
Da ist das „Stoffmusterbuch“, ein Buch der „Waren- und Maschinenkunde“, ein Nachschlagewerk „Futterstoff-Brevier“ und als Letztes das „Fachrechnen für das Bekleidungsgewerbe“. Spannend.
Beim Fachrechnen fühle ich mich dann wieder in die Berufsschule versetzt und das Beste dabei ist, ich darf beim aufarbeiten wieder in DM rechnen. ;-)

Nachdem alles begutachtet, verstaut und bestaunt war, habe ich uns erst einmal mit Tee und Kaffee versorgt.
Aus Elkes Tasche wanderte Nervennahrung in Form von Milkaschoki und Prinzenrolle auf den Tisch. Kerzen angezündet und der gemütliche Tag konnte beginnen.

Meine Maschine wurde ordnungsgemäss unter die Lupe genommen und für gut befunden. Was mich nicht nur freute sondern auch beruhigte. Als Anfänger tätigt man doch schnell mal einen Fehlkauf.
Elke suchte dann den Hebel um den Nähfuss anzuheben und plumps musste ich lernen wie man die Nähfüsse wechselt. *ggg
Mit etwas Übung wird mir das sicherlich auch bald schneller gelingen. Bisher hatte ich den Schnellwechsler bewusst erst einmal aussenvor gelassen. Es gibt ja genug an der Maschine zu entdecken.
Beeindruckt und begeistert war sie von der Einfädelhilfe. Sollte ich jemals an einer Maschine ohne sitzen, brauche ich bestimmt Stunden um durch das Öhr zu fädeln.

Nachdem wir uns genug mit Stoffe und Maschine befasst haben (und was ich mir denn überhaupt so vorstelle nähen zu wollen), ging es an den künstlerischen Teil des Tages.
Der Wohnzimmertisch bekam ein Wachstuch verpasst und es wanderten Keilrahmen, Acrylfarben, Binder, Scheren und Servietten auf jenigen.
Genau: Serviettentechik auf Keilrahmen war angesagt.
Elke hatte das schon lange nicht mehr gemacht und wollte es sich noch einmal erklären lassen. Gemeinsame Bastelstunde inklusive.
Abends gegen sechs Uhr und eine Pizza später, lagen dann vier Keilrahmen beinahe fertig vor uns. Lediglich an einem Bild muss sie nochmal mit Acryl hinterher.

Ich machte mir ein neues Küchenbild

Es war ein guter, ruhiger Tag den ich trotz akutem Schlafmangel relativ unbeschadet überstand.
Allerdings forderte Körper und Geist seinen Tribut gegen zwanzig Uhr. Schlafenszeit.

Gutes Nächtle wünschend,
der Micha

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