Welch eine Provokation oder das Leid der Anderen

Eine witzige Geschichte las ich heute bei „Dr. Elton kreativ„.
Zusammenfassend blieb die Frage (neben anderen Fragen), ob nur Rentner (also alte Leute) nähen. Elton stellt am Ende des Textes noch weitere Fragen an die Mitlesenden.
Da ich zwar noch nicht alt bin, aber ein Renter der näht, wurde meine Antwort etwas zu persönlich und umfassend als dass ich sie als einfachen Kommentar dort veröffentlichen könnte.

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Erfreulicherweise (oder auch weniger erfreulich) bin ich mit knapp über 50 ja bereits Rentner und wie man weiss nähe ich nur nicht nur, sondern sticke auch.
Komplett ohne das die Wirtschaftlichkeit dabei irgendeine Rolle für mich spielt, weil ich es der Kunst wegen betreibe.
(Passend zum Film Ludwig 2, den ich gerade schaue).

Wenn man also nun die These aufstellt das wohl nur RentnerInnen nähen, so muss man sich auch der Frage stellen warum man mit Scheuklappen und dem dazugehörigen Tunnelblick durch das Leben geht und offensichtlich nicht bereit ist, sich weiter zu bilden und damit auch weiter zu entwickeln.

Um das zu unterstreichen verweise ich auf mal auf die Welt des Cosplay indem bereits die Jüngsten unglaubliche Kreativität durch ihre Kostüme ausdrücken. Weiter geht es über die ganz normale Strassenbekleidung. Meist ab der weiterführenden Schule ausgeführt. Davor nähen die Mütter und Väter (welche um die 30 Jahre jung sind und sicherlich noch nicht berentet) den Kids aus der Kiga ihre Kleidung für die Aufführungen. Noch weiter … die Twenmode … kaufen ist teuer, also wird re- und upcycelt und manchmal auch nur mit BlingBling gepuscht. Die Jungs nähen sich ihre Flicken, Patches auf die Jeans, oder Mopedjacke.
Auf den Fantasytreffen, den Karnevals- und Schützenvereinen, den Mittelaltermärkten, etc. finden sich Abertausende von 3 bis 99, die dieser Kunst mit der Maschine und/oder per Hand nachgehen. Weil es ihnen Freude macht. Weil es ein gutes Gefühl gibt und weil man seine Einzigartigkeit im Universum damit zum Ausdruck bringen kann.

Wie die meisten derer reagieren die keine Ahnung vom Nähen und keinen Zugang zur Kunst finden, ist bei „uns“ Männern sicherlich noch einmal unangenehmer. Obwohl sie alle Kleidung von Designern tragen die in den meisten Fällen männlich sind, passt das so gar nicht in ihr Machotriefendes dummes, kleines Weltbild hinein und wissen sich nicht weiter zu helfen als einen als Homo zu titulieren.
Aber gut. Kein Problem für mich. Ich muss mich mit solchem Volk nicht auf eine Stufe stellen, weil ich es sonst wieder im Kreuz bekäme wenn ich mich so tief herablassen müsste.
Da sie nicht einmal den Arsch in der Hose haben, es einem selbst zu sagen, haben sie von mir auch keinerlei Respekt zu erwarten.
Somit haben wir ein Patt.

Die Handarbeit … und damit meine ich nun wirklich das gesamte Handwerk, vom Nähen bis zum Mauern wird in Deutschland sowieso in keinster Weise wertgeschätzt.
Um beim Nähen zu bleiben kennen die meisten von uns die Nachbarn/Freunde/Bekannte/Kollegen/und Leute von Nebenan die früher oder später auf der Matte stehen, damit man mal eben einen Reissverschluss der Hose wechselt.
Natürlich ist der alte noch drinne, einen neuen haben sie eh nicht dabei („Wieso Du nähst doch … da hast Du keinen da?“ +vorwurfsvoller Blick) und das der alte vorher rausgetrennt werden muss, was eine Scheissarbeit ist, ist sowieso egal.
„(Ach komm, so schwer ist son Reissverschluss ja auch nicht, das machst Du bestimmt in 5 Minuten“ +dummdreist lächelnd)

Nun ich lehne grundsätzlich solche „Aufträge“ ab und verweise auf die Änderungsschneiderei an der Ecke.
(„Jaaa da war ich schon … aber die sind so unverschämt … die wollten 15€ dafür“)
Ja echt? Kann vielleicht daran liegen dass sie Strom, Wasser, Steuern bezahlen müssen und Reissverschlüsse nicht an Bäumen wachsen!
Wie man bei so einem „Lohn“ überleben kann, ist mir persönlich eh schleierhaft.

Somit haben wir also nun festgestellt dass es dumme und dreiste Menschen gibt … und ganz viele schaffen es beides zu sein.
Was mir aber egal ist … weil ich mich nicht mit solchen Leuten abgebe.
Was mir allerdings dann wieder böse Blicke, Getuschel und Beleidungen einbringt, weil sie sich nicht anders zu helfen wissen.

Ich nähe und sticke auch weiterhin solange die Muse mich küsst und ich bin heilfroh dass bereits die Kids in der KiGa daran Freude haben und dieses Handwerk somit weiter leben wird.
Es ist zwar unwahrscheinlich das eines Tages die Welt aus Künstlern und Handwerkern bestehen wird, aber es ist ein schöner Gedanke.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen für die Zukunft, alles Gute.
der Micha