Einmal nach Meppen zum Doc bitte

…. sprach meine Ex und drückte mir mal wieder ihre Autoschlüssel in die Hand.
Soweit so gut. Nicht das erste Mal das ich sie zu ihrem Doctermin fahre, aber mitten in der Nacht?
Das ist echt nicht meine Zeit. Ich lege alle meine Termine nach 12 Uhr. Erst dann habe ich ne Chance halbwegs wach zu sein.
Nun ist es aber erst viertel nach sieben. Das ist für die arbeitende oder studierende Bevölkerung durchaus eine normale Uhrzeit (wenn nicht gar schon spät am Morgen), aber ich gehöre da nun einmal nicht zu und meine Nächte sind meist lang und alles andere als entspannt.

Hilft aber nichts. Ich wusste schon seit Wochen worauf ich mich einlasse und Meppen ist eigentlich ganz hübsch.

Nach dem Gang über die Brücke die über den Fluss „Hase“ verläuft, war in der Stadt leider noch allgemeine Unlust angesagt.
Ich hatte auf guten Kaffee und draussen sitzen gehofft, aber draussen war nur an Bäckereien offen und die Plätze schon mit anderen Rentner belegt.
Ich war also zu spät, obwohl ich schon vor dem aufstehen dort war.
DRAMA

Mäcci war nicht zu finden und der Subway hatte, wie auch die meisten anderen Läden um viertel nach acht noch nicht offen.
FRUST

Also bin ich wieder zum Doc zurück getigert und habe darauf gewartet das Elke fertig wird und wir wieder zurück fahren können.

Warum ich mir das antue? Zudem noch für eine Ex?
Na, weil sie auch für mich da ist wenn ich mal Hilfe möchte und ausserdem bleibe ich so beim Verkehrsgeschehen und verlerne das Autofahren nicht.
Aber vorallem fahre ich gerne. Darum fahre ich auch die 2000 KM bei den Bayernurlaube alleine.

Mehr Bilder habe ich heute aber nicht und wünsche euch eine schöne Woche.

Zweiter Nähtreff in Duisburg und ein paar Kissen

Moin ihr Lieben,

die letzten Wochen passierte hier so viel überflüssiger Nachbarsschaftsstreit dass ich kaum noch an den Maschinen sitze.

Nichtsdestotrotz konnte ich zum Nähtreff fahren und genoss die kleine Runde mit Sandra und Elke bei Katja.
Ein Kurzbesuch bei meiner Tochter wurde vorab absolviert, wodurch sich allerdings mein Erscheinen am Nähtreff um eine Stunde nach hinten verschob.
Nicht schön, denn ich achte sehr auf Pünktlichkeit.

Mein Lieblingstochterherz hatte ich vorab noch einen Leseknochen aus Jeans genäht.

Nach dem kleinen aber liebevollen Rüffel von Katja und einem leckeren Stück Rhabarberkuchen mit ner Tasse Kaffee dazu, rauschten wir ins Schneideratelier und bauten die Maschinen auf.
Sandra hatte ein paar Fragen zum Freihandsticken und ich staunte nicht schlecht wie gut sie dieses bereits konnte. Eigentlich fehlte ihr nur der Mut etwas einfach an ihrer Singer auszuprobieren.
Zudem war kein Stickfuss vorhanden, was die Sache erschwerte.

Da sie aber auch noch eine Pfaff besitzt, konnten wir uns an Katjas Pfaff davon überzeugen wie einfach dort der Stickfuss angebracht und mit der Arbeit begonnen werden kann.

In der Kürze der Zeit, blieb aber auch Zeit für private Gespräche und vorallem für ein Miteinander lachen.

Gegen halb sieben war dann leider wieder Aufbruch angesagt und ich fuhr mit zu Elke damit ich ein paar Tage Ruhe vor den lärmenden Hausbewohnern bekomme.

Wenn auch nicht ganz entspannt, nähte ich ihr noch zwei 50x50er Kissen mit Hotelverschluss, für ihre Nichten.

Die Wochen vorher hatte ich noch einen Leseknochen als Geschenk für eine alte Bekannte fertig gestellt den ich dann gestern bei ihr zustellen lassen konnte.
Gefallen tut er ihr … ob sie damit gut klar kommt, wird sich noch rausstellen müssen.

Einen schönen Sonntag wünschend,
der Micha

Ein Loop für meine Ex und einen Strickbeutel für mich

Nachdem ich den gestrigen Sonnentag mit der Schrauberei am Moped verbracht habe und dabei jede Stunde in die Wohnung zurück musste um die eisekalten Finger aufzuwärmen, konnte ich den heutigen stürmischen und regnerischen Tag am Zuschneidetisch und den Maschinen verbringen.

Endlich habe ich den Loop für Elke fertig.
Aufgrund des sich extrem einrollenden Jerseys habe ich den immer weiter von mir geschoben, aber da sie bald Geburtstag hat, soll das ein Teil der Geschenke werden.
Elke wollte ihn auf jeden Fall so lang, dass er sich dreimal umwickeln lässt und dann eng am Hals anliegt.
Habe ich mit 190cm hinbekommen.

Und weil Elkes Strickbeutel gestern fertig wurde, habe ich mir heute meinen eigenen gemacht.
Allerdings wurde ich sehr häufig durch Telefon, WhatsApp, Facebook und meine nervenden Nachbarn aus der Konzentration raus gerissen.
Das Ergebnis:
Ich habe den Henkel total vergessen und aus irgendeinem Grunde ist der Oberstoff 5cm kürzer geworden als der andere.
Ansonsten bin ich aber zufrieden. Mir ist nur schleierhaft warum ich mir immer so problematische Gewebe dazu mixen muss.
Das Gewebe der inneren Kellerfalten ribbelt sich sehr schnell auf und ist leicht dehnbar. Somit habe ich es nicht nur abgesteppt, sondern auch versäubert.

 

Nun ist es schon viertel nach elf am Abend und ich bin gerade erst fertig geworden.
Gegen halb drei habe ich begonnen. Ich habe also beinahe neun Stunden für die Tasche gebraucht.
Schweigen wir drüber. smile

Eine gute kommende Woche wünschend,
der Micha

Von Inas Kosmetiktasche zu Angies Strickbeutel

Moin ihr Lieben,

ich weiß gar nicht wie ich das beschreiben soll.
Vor Kurzem stiess ich in Angies Blog auf eine vergrösserte Variante der tollen Kosmetiktasche von Ina.
Da diesen Monat ein paar meiner Exen Geburtstag haben und eine davon strickt, bot sich diese neue Variante an, ein Geschenk zu werden.
Angie war dann auch so nett und hat die vergrösserten Maße in ihrem Blog nachgetragen.

Nun musste nur noch passendes Gewebe her.
Die strickenden Schafe habe ich nirgendwo anders als bei dawanda gefunden.
Die sind mir aber zu teuer.
Andererseits passen Schafe so toll zum stricken.
Ein Besuch in Tedox brachte dann aber doch einen Teilerfolg.

Die Schafe eignen sich für das Vorhaben, das andere Gewebe ist für eine andere Ex, mit der ich meine Vorliebe für PCs und Elektronik verbinde.
Mal schauen was mir dazu noch einfällt ausser einem Peanut.

Jedenfalls war ich die letzten zwei Tage sehr fleissig.
Vorallem mit dem Nahttrenner. Ich glaube das ich all das einmal falsch gemacht habe, was man dabei falsch machen konnte.
Heute früh war die Nacht zwar sehr vorzeitig beendet und ich habe mich danach intensiv um den Nähmaschinen-Support gekümmert, aber das ich dermassen unkonzentriert bin, dass ich nicht einmal dann schnalle dass die Ausrichtung des Musters falsch ist, obwohl ich genau darauf starre, fand ich dann doch sehr erschreckend.
Beim dritten Mal auftrennen des Reißverschlusses war ich dann auch kurz davor dass Ganze in die Ecke zu pfeffern, zumal auch das Gewebe die ständige Trennerei nicht so toll verkraftet.

Aber hilft ja nichts. Wenn man sich so dusselig anstellt wird es Zeit dass man wieder öfter an der Maschine sitzt, damit wieder Routine einziehen kann.

Das ständige ausbügeln der Nähte und der Kellerfalten war heute auch nicht gerade die Arbeit die mir wirklich Spaß machte, aber ich wollte wissen wie das aussieht und ob ich damit ein schönes Geschenk für Elke habe.

Gestern war ich mit Elke übrigens noch in der Stadt bummeln.
Bei Tedox, in der Wollperle, dem L‘ Artist und letztlich bei Ikea.
In der Wollperle habe ich mich „hinterrücks“ auch ein wenig kundig getan was man an Nadeln und Garne verwendet. Ausserdem konnte ich noch ein Heft mit Strickanleitungen von Lana Grossa günstig erwerben.
Elke hat sich eine Sockenwolle und kurze Design-Holz-Sockennadeln von Lana Grossa mitgenommen, nachdem uns die Damen beraten haben.
Ich hoffe das beides ihr Wohlwollen findet, denn ich wollte ihr dann andere Nadeln und weitere Wolle in die Tasche packen.

Da ich ja selber das stricken anfange … ich kann nun den Laufknoten und kämpfe mit den ersten Maschenanschlägen smile … ist die Materie mir nun auch etwas näher.
Eine entsprechende Tasche muss also nochmal genäht werden … im Micha-Stil.

Angies Strickbeutel bekam von mir noch einen kleinen Henkel eingenäht, damit man sie besser transportieren kann.
Richtig durchdacht war das nicht, weil er sich leicht verdreht, aber zum tragen reichts.

Jedenfalls konnte ich erstmal meine beiden Wollknäuel und die Nadeln zum zeigen und testen in die Tasche reinlegen.
Noch ein Sockenpaar dabei, damit man eine Vorstellung von der Grösse hat und Voila … mir gefällts.

Geschlossen macht sie auch noch einen guten Eindruck und es kann nichts raus fallen.

Im Gegensatz zu Angie, habe ich meine Schafe nach aussen gepackt, weil mir das Motiv wichtiger war als der Effekt wenn sich die Kellerfalten öffnen.

Sobald es wieder regnet geht es dann an die Micha-Strick-Tasche. smile

Klappernde Nadeln wünschend,
der Micha

Nachtrag aus Angies Blog (damit ich die Maße nicht vergesse):
Hier also die verwendeten Maße für die einzelnen Schnittteile.
In allen Angaben ist 1cm Nahtzugabe bereits enthalten.

Für die Außentasche:

10 Streifen 7 cm breit und 27 cm hoch vom Hauptstoff
8 Streifen 7 cm breit und 27 cm hoch vom Stoff für die Kellerfalten
2 Streifen 27 cm breit und 7 cm hoch
(es entsteht ein geringer Überstand, den ich NACH dem Nähen abgeschnitten habe)

Für die Innentasche:

2 x 27 cm breit und 32 cm hoch vom Hauptstoff
2 x 27 cm breit und 32 cm hoch Vlieseline

Ein Reißverschluß 25 cm.

Freihandstickerei im Tuchmachermuseum Bramsche – und warum es okay ist wenn mein Ruf leidet

Am Sonntag hatte ich das Glück den Tuchmarkt im Tuchmachermuseum Bramsche besuchen zu dürfen.
Tolle Sache, davon gleich mehr … was mich aber umhaute war das Antreffen von Frau Heide Hielscher, die in ihrer Eigenschaft als Freihandstickerin ihre Arbeiten dort vor- und ausstellte.
Mein Ruf in der Freihandstickerei war bis jetzt recht gut und ich ruiniere ihn hiermit vollends, aber das ist hierfür auch gerechtfertigt.

An die Näh- und Stickmaschinen kam ich über den Umweg der Kunst. Mein Hauptaugenmerk liegt nicht im Nähen von Bekleidung, sondern halt in der Kunst (die mittlerweile etwas zu wenig von mir gepflegt wird).
Bei der Arbeit mit Pinsel und Farben in der Ölmalerei, verliess mich irgendwann die Muse (sie hatte wohl die Schnauze von meinem Dilettantismus voll)

und ich suchte jahrelang nach einem Neubeginn oder Ausgleich.

Irgendwann stiess ich dann auf Freihandstickereien (in Handstickereien hatte ich mich derweil schon versucht, fand aber keinen Zugang) und versuchte dieses mit einer W6 N 1235 (meinem Paulchen) umzusetzen.
Ich mache das rein des Hobby und der Liebe wegen. Ich verkaufe nichts, ich verschenke. Was mir und der beschenkten Person erneut Freude bringt.
Natürlich ist Nähen und vorallem Sticken teuer und passt so gar nicht zu meinen Einkünften aus magerer Rente und Grundsicherung … aber ich kenne kein Hobby was kein Geld kostet. Also, was soll ich tun? Mich in die Wohnung setzen und mich Tag und Nacht von den Deppensendungen auf den privaten Kanälen berieseln lassen, oder mein Leben minimalisiert führen und mich stattdessen der Kunst hingeben?!

Seither mag mich jedenfalls die Muse wieder und ich habe mich neu verlieben können.
In der Freihandstickerei arbeite ich mit einem 18er Handstickrahmen oder kleiner, nehme klebe-, auflage- und lösliche Vliese, benutze in der Regel eine Microtexnadel und verwende Stickgarne von Amann.

Wenn ich mich ans Freihandsticken setze achte ich auf eine störungsfreie Umgebung, ignoriere das Telefon (ist dann lautlos, der Anrufbeantworter ist ja an), stelle die Türklingel ab und lasse ein einfaches Hörspiel laufen. Kinderhörspiele (ohne Gesang) sind mir da am liebsten. Augsburgerpuppenkiste, die drei Fragezeichen, oder Märchen aus dem Europaverlag (der kleine Muck etc.).
Der einfache Grund: Ich muss mich nicht darauf konzentrieren und wenn ich was „verpasse“ ist das vollkommen egal.

Die ersten Stiche setze ich immer erst in einem Testrahmen.
Körper und Geist brauchen bei mir etwas Zeit um sich der Situation anzupassen.
Danach wechsel ich dann in den Entspannungsmodus und damit auch den Stickrahmen.
Bei der Arbeit an den Freihandstickereien lasse ich die Maschine führen und meditiere in der Bewegung.

Die Nadel ist unten, ich bin passiv, die Nadel ist oben ich werde aktiv.
Einatmen, ausatmen (natürlich nicht bei jedem Nadelhub!)
Ich arbeite in Geradstich oder ZickZack. Das kommt darauf an was ich Wie und Wo meine zu brauchen.
Beim ZickZack variiere ich die Stichbreite nach Bedarf durchgehend. Das geht mit den computergestützten Maschinen leider nicht ganz so einfach und flüssig wie mit den mechanischen, wo eine Hand am Stichbreitenregler bleiben kann.
Mein „Traum“ ist es eines Tages eine Juki mit Kniehebel für die Stichbreitenregelung zu besitzen.

Derzeit (seit Monaten, weil ich nicht daran weiter arbeite) sitze ich an einem Wandbehang für eine gute Bekannte.
Einen Vorentwurf habe ich in Kissenform bereits fertig gestellt.

Wer meinen Blog kennt und den Links folgt, stellt fest dass ich niemals an einem Tag eine Freihandstickerei fertig stelle.
Es ist ein Schaffensprozess der mich viele Stunden, Tage, Wochen begleitet und dennoch arbeite ich immer noch sehr grob.
Ich müsste mir noch sehr viel mehr Zeit nehmen, aber das würde bedeuten dass ich meine (meist virtuellen) Kontakte vernachlässigen würde und müsste. Das virtuelle Leben ist mir allerdings näher als das reale.
Ich bin nicht gerne unter Menschen, ich brauche Ruhe um mich herum und im virtuellen Sein habe ich diese Ruhe. Sicherlich schwer zu verstehen für Menschen die nicht die selbe Erkrankung wie ich haben. Ich würde auch lieber ein ganz „normales“ Leben führen, doch das ist mir verwehrt und nach all den Jahrzehnten habe ich es nun als Teil meinerselbst anerkannt.

Doch zurück zur Freihandstickerei … und damit zum Besuch des Tuchmarktes in Bramsche.
Es gibt in der Freihandstickerei ebenso wie in der Nähmalerei wirkliche Profis, die mich immer wieder neu inspirieren und durch ihr Tun mich teilhaben lassen an ihre Herangehensweisen, an die Kunst.
So auch beim Besuch im Tuchmachermuseum Bramsche (mit textilen Kunstmarkt).

Wir (ich war mit einer meiner lieben Expartnerinnen unterwegs) hatten an diesem Tag richtig Glück mit dem Wetter. Einer der letzten Sommertage für dieses Jahr, mit blauem Himmel und Temperaturen wo man die Jacken im Auto und die Ärmel hochkrempeln konnte. Wunderbar.
Das Tuchmachermuseum beginnt links hinter dem weissen Haus und erstreckt sich über viel Quadratmeter bis unter die Schornsteine. Wie man sieht war bereits alles gut zugeparkt. Der Parkplatz einer nahe gelegenen Klinik war frei nutzbar und somit unsere Wahl.

Einen kleinen Wehrmutstropfen gab es jedoch direkt am Eingang.
Als Rentner kann man auch hier seinen Rentnenausweis sonstwohin werfen. Rabatte für Renter werden auch dort nicht gewährt. Ausser diejenigen die Grundsicherung erhalten … aber sorry .. ich erhalte zwar Grundsicherung, aber ich laufe nicht meinem Bescheid darüber durch die Gegend. Schlimm genug dass ich bereits Rentner bin.
Sie reihen sich damit ein, in all die anderen Anbieter wie Kinos, Theater, dem Zoo und sonstiges. Bisher hätte ich nur im Schwimmbad damit einen Rabatt erhalten … aber ich gehe in keine Schwimmbäder.
Es zeigt sich sehr eindeutig welchen Stellenwert Rentner in diesem Land haben. Solange Du arbeitest bist Du uns Willkommen, aber als Rentner sieh bitte zu dass Du schnell und kostenfrei aus dem Leben tritts. Für uns bist Du nichts mehr wert.
Zur Ehrenrettung muss ich allerdings sagen, dass ein Eintrittspreis von fünf Euro akzeptabel ist (Schüler, Studenten, Arbeitslose (wie weist man das eigentlich nach?) erhalten „natürlich“ einen ermässigten Eintrittspreis.
Und damit ist mein Gemecker auch schon wieder zuende. smile

Wir hatten also unseren Zehner an Eintrittsgeld bezahlt und bekamen ein Bändchen angelegt damit wir, wenn wir im Vorhof eine Pause bei Kaffee (2€) und Kuchen (2,40€) machen wollten, wieder eintreten konnten. Gute Planung seitens der Museumsleitung und die MitarbeiterInnen waren dort ausnahmslos sehr freundlich, sodass man Lust bekam dieses Werk erneut zu besuchen.

Was ich erwartet hatte, war eine hohe Halle mit alten Maschinen, langweiligen verstaubten und kaum leserlichen Infoschildern (wenn überhaupt) und dazwischen halt ein paar kleine Stände.
Was ich erhielt, war ein hohes Gebäude, welches auf drei Ebenen ihre Maschinen präsentierte. Die Informationsschilder waren sauber, gut leserlich und alles andere als langweilig. Auch die Maschinen waren in sehr ordentlichem Zustand an die man auch herantreten durfte und wo niemand meckerte als ich hinter die Absperrung ging um Fotos zu machen … und es waren viele, sehr viele Maschinen.

Wie man sieht befinden sich Garne, Schiffchen, Werkzeuge, sowie halbfertige und fertige Gewebe an, auf und neben den Maschinen.
Klasse.
Dadurch wird das Ganze lebendig und man hat das Gefühl dass nach dem Tuchmarkt die nächste Schicht zur Arbeit antritt.

Hier ist die Spinnmaschine (heisst das so?) in Betrieb zu sehen.
Hier klicken
Quelle: Tuchmachermuseum

Ich brauche eine Führung und damit einen erneuten Besuch im Museum, um auch nur ansatzweise die Maschinen und deren genaue Funktion beschreiben zu können. Bei unserem Besuch habe ich mich aufs staunen und begehen konzentriert.
Und ich kam aus dem Staunen kaum heraus.

Auch die Stechuhr liess man, mit den entsprechenden Karten an ihrem Platz.

Die Stände waren links und rechts im Gang vor den Maschinen aufgebaut.
Wunderbare Dinge aus KünstlerInnenhand waren dort ausgestellt und zum Verkauf präsentiert worden.
Ich fotografiere allerdings nicht gerne die Stände, da ich niemandem seine/ihre Ideen stehlen möchte und natürlich auch niemanden auf den Bildern zeigen möchte, die sich dadurch in ihrer Privatsphäre gestört fühlen könnten.

Eines der ausgestellten Werke kann ich euch leider nur als Bild präsentieren. Ich finde die Visitenkarte der Künstler nicht mehr. Vielleicht kann mir das Tuchmachermuseum im Nachhinein dazu verhelfen, den Namen und damit vielleicht einen Link zu vervollständigen.

Dieser Schal, der als … tja wie soll ich das nennen? … als Weste, Überwurf, Bluse? … gebunden ist, war nur eines der Werke die man bestaunen durfte. Ich finde es genial. Und es gab sovieles Mehr zu sehen … aber wie gesagt, fotografiere ich nicht gerne die Stände.

Aus der vorderen Halle ging es dann am Ende des Ganges in einen weiteren kleinen Raum, wo eine Maschine zum weben von Jacquard steht.
Der Jacquardwebstuhl beeindruckt durch seine Größe und die scheinbare Unendlichkeit der „Fangnadeln“.

Wie man sieht werden die Muster per Lochkarten gesteuert. Unfassbar diese Technik.
Ein Jacquardaufsatz ist dort ebenfalls an der Wand aufgestellt.

Rechts vom Webstuhl steht der Schaftwebstuhl.

Für mich, als jemand der diese Maschinen noch nie gesehen hat, ist es ein unglaubliches Erlebnis.
Irgendwer setzte den Webstuhl dann etwas später mal in Gang … meine Herren, was für ein Lärm.
Und wenn man sich dann hochrechnet dass in der Fabrikhalle, über den Daumen gepeilt 30 Maschinen stehen, weiß ich auch wie hart, laut, geruchsintensiv und staubig diese Maloche war. Schreckliche Vorstellung.

Hier ist noch ein Anschauungsvideo des Schaftwebstuhles.
Hier klicken
Quelle: Tuchmachermuseum

Den weiteren Weg setzten wir dann auf der ersten Etage fort.

Rechts von meiner netten Begleitung steht ein „Simulator zum Spinnen“ im Gang.
Ich dachte immer das ich auch ohne Simulator kräftig spinne, aber …

… glaubt mal nicht dass ich mit dem Teil klar kam.
Drehen, ziehen, drücken, andersrum … boah watn Stress … und nach drei Versuchen, bei denen ich die simulierte Maschine auch dreimal Hops gehen liess, gab ich auf.
Etwas später sah ich ein junges Mädel daran stehen und „arbeiten“ … sie kam damit gut klar.
Was sagt uns das? Technik und Frauen passen manchmal doch sehr gut zusammen und Männer und Technik manchmal so gar nicht. ;)

Die Vielzahl der ausgestellten Maschinen ist schier unglaublich und ich liege wohl mit meiner Schätzung arg daneben.

Auf dieser Etage gab es auch einen Raum, der über Kopfhörer die Geschichte und Arbeitsweise der Tuchmacher von Bramsche erklärte.
Auch das habe ich diesesmal nur kurz zur Kenntniss genommen. Freue mich aber schon auf meinen nächsten Besuch, bei dem ich mich dann ganz der Technik hingeben möchte.

Einen der für mich „wichtigsten“ Räume hätte ich beinahe, neben der Treppe, übersehen.
Frau Hilde Hielscher hat dort ihre Freihandstickeren ausgestellt.
Ich musste mehrfach hinschauen, ob die Bilder gemalt oder gestickt waren.
Frau Hielscher arbeitet in Perfektion. Anders kann ich das nicht sagen.
Die Bilder sind mit Geradstich gearbeitet worden.

Leider wird nun mit dem Bild mein Ruf vollends ruiniert … aber Ehre wem sie gebührt und Frau Heide Hielscher gebührt diese Ehre absolut.

Ich möchte mich auf diesem Weg ausdrücklich dafür bedanken, dass ich dieses Foto für den Blog machen durfte.
Alle ihre Werke sind ausdrucksstark und fein gearbeitet. Etwas ganz besonderes, wie ich finde.
Und ich hoffe durch diese Inspiration ebenfalls langsam zum arbeiten mit Geradstich geführt worden zu sein.

Ihr merkt schon, welche Hochachtung ich für ihre Kunst entwickelt habe. smile

Danach brauchte ich zunächst einmal eine Pause bei Kaffee und Kuchen.
Im schönsten Sonnenschein, war das eine wahre Freude.
Draussen waren Tische und Bänke aufgebaut. Eine Ausstellerin zeigte ihre Werke aus Wolle und passend dazu war ein kleiner, offener Stall mit drei Schafen. Anschauungsunterricht am lebenden Objekt, mit Streichelzoocharakter.
Sehr schön.
Leider habe ich dort keine Bilder gemacht, weil einfach zuviel Personen im Bild gewesen wären.
Aber dieser Blogeintrag strotzt ja eh schon von visuellen Eindrücken, da macht das wohl nichts. ;)

Und Ja … es geht noch weiter … nämlich nach beschriebener Pause, ab in die zweite Etage.
Auch hier finden sich eine Vielzahl an Maschinen, Erklärungen und Aussteller.
Hochinterressant sind die Schaustücke, was woraus besteht.

Beim eintreten trifft man erst einmal auf die Grundmaterialien, wie Wolle-Leinen-Seide-Viskose-Polyester.

Danach trifft man auf den „Untersuchungstisch“ …

… an dessen Seiten auch Informationskästen zur Eigenabfrage angebracht sind.

Toll gemacht, oder?!

Mich haben auch die Bilder zur Eigenabfrage aus dem Mikroskop beeindruckt (und ich lag meistens sowas von daneben)

Man sucht vorne das Material, drückt den Knopf und das entsprechende Bild leuchtet auf.
Super Sache.
Hach ich komme immer noch ins schwärmen.

Im hinteren Teil ging es dann um die Geschichte und die Verwendung von technischen Textilien.

Banknoten? Was haben die da zu suchen?

(wer es nicht lesen kann)
Lumpen:
Geldscheine aus recycelten Textilien.
Basis: Naturfasern

Achja, klar … wo ich das las wurde es mir dann auch klar.
Natürlich waren noch sehr viel mehr Schaustücke ausgestellt und es wird sehr viel mehr erklärt, aber der Blogeintrag sprengt eh schon alle Grenzen. Wofür ich mich aber diesemal nicht entschuldige. smile

Im rechten Teil hatten dann wieder Künstler und Künstlerinnen, sowie der Handarbeitsverein Bramsche ihre Plätze bezogen.
Und auch hier habe ich keine Fotos gemacht (ich höre schon euer aufatmen, aber ich bin immer noch nicht ganz fertig) :P

Es war toll was dort überall zu sehen war und was man alles aus Garn und Wolle machen kann.
Inspiration ohne Ende. Wundervoll.

Doch damit gingen wir dann auch mal langsam wieder die Treppen herunter (es gibt auch einen Aufzug mit Vollverglasung) und schauten nochmal kurz bei Frau Hielscher hinein um meiner Begleiterin deren Werke zu zeigen.

Am Ende kaufte ich noch ein Andenken.
Das Schäffchen schaut ein wenig traurig …

… und im Nachheinein weiß ich warum. Ihr wurde das linke Ohr falsch herum angenäht. Achje … aber damit ist es ein absolutes Unikat ;)

Und damit beende ich meine Vorstellung und den Gang durch die Tuchmacherfabrik in Bramsche.
Den anschliessenden Besuch in Ikea und im Barfusspark Lienen erspare ich euch.
Ich hoffe es hat euch trotz der Fülle gefallen.
Für uns war es ein ganz besonders toller Tag.

Vielleicht trifft man sich ja mal dort. Es würde mich freuen.
euer Micha
Michael Andres Foto