Die Freihandstickerei Challenge ging in die nächste Runde

Moin ihr Lieben,

während nun im Fernsehen die fünfzigste Superbowl übertragen wird und meine Nacht zum Tage macht, nutze ich die Zeit (bis morgens um knapp fünf Uhr) um diesen Blogeintrag einzutippern.
Eigentlich sagen mir meine Äuglein bereits das ich zu müde bin und ins Bett sollte … aber … mal sehen ;)

Wie bereits im Vorbeitrag zur Challenge mitgeteilt, bin ich mit dem Ergebnis alles andere als zufrieden.
Das Motiv ist wirklich schwer und aufwändig.
Erschwerend kommt hinzu das ich viel zu wenig verschiedene Stickgarnfarben habe.
Nun denn … eine Herausforderung … eine Challenge halt.

So unzufrieden konnte ich es nicht abliefern und ich entschied mich, nach zwei Tagen Betrachtung und Überlegungen, es erneut zu sticken.
Wie immer steht vor der Kür die Pflicht und ich musste erneut die Vorzeichnung auf das Gewebe übertragen.
Dabei beschränke ich mich auf das notwendigste und möglichst gerade Linien (mit Linealunterstützung) um beim sticken immer einen Blick auf die Richtung nehmen zu können.

Zur Verdeutlichung: Wenn ich das Wasser von unten nach oben sticken lasse, wird es auf dem Bild auch aussehen als würde es nach oben fliessen (bzw. nach unten fallen). Ebenso muss ich die Richtung auch beim Himmel einhalten.
Die einzige Ausnahme die ich machte, waren die Pfeiler des Steges und beim Geländer.
Wildes Hin und Her nur um Flächen zu füllen machen ein Bild ebenso unruhig und sind zu vermeiden.

Die Idee war gut, aber bei der Ausführung unterlief mir ein böser Anfängerfehler der dazu führte das sich das Gewebe während der ersten Fläche in sich verzog.
Am oberen Rand sieht man bereits den Verzug. Das ist an dieser Stelle noch minimal, führt aber bei der Gesamtfläche zu immer enger werdenden Falten und damit auch zum beulen des Bildes.

Doch anstatt es hinzunehmen, zu vernichten und noch einmal zu beginnen kam der Sparfuchsteufel vorbei und erzählte mir was von der teuren Verschwendung meines Stickgarnes.
Ausserdem war mir der Farbverlauf so gut gelungen das ich in dem Überschwall der Gefühle meine eigenen Warnungen ausschlug.
Also machte ich weiter. Wider besseren Wissens und Gewissens und … ihr ahnt es schon, habe ich ein böse gewölbtes Endergebnis.
Selbst Schuld.
Bis es soweit war musste die Maschine allerdings kräftig zeigen was sie kann. Ebenso war bei mir Durchhaltevermögen, Rückenstrecken und Augenentlastung angesagt.

Das man während der Arbeit in Sekundenschlaf verfallen kann war mir dann auch neu. Jedoch zeigte es mir auch das ich diese Arbeit wirklich meditativ ausführe.
Etwas erschrocken war ich dennoch, denn ich liess die Maschine ohne Fussanlasser laufen und die Finger sind doch arg nah an der flitzenden Nadel.

Hier sieht man nun sehr gut wie sehr sich das Gewebe immer weiter zusammen zog.
Ausgleichen lässt es sich nur indem man die Falten mit viel Druck auseinander hält und dann von der Mitte nach aussen und nach oben Stück für Stück die Falten in den Seitenbereich treibt.
Dennoch beult sich das Gewebe dadurch von Linie zu Linie mehr in sich selbst.
Entspanntes Arbeiten ist das nicht wirklich, aber so ist das halt.
Hätte ich mit Stickrahmen gearbeitet wäre es nicht passiert … Hätte Wenn und Aber … ;)

Diesesmal wollte ich definitiv mehr auf die Farben des Sonnenunterganges setzen und mich etwas mehr an die Vorlage halten.
Ganz geglückt ist es mir schon aufgrund der fehlenden Farben nicht, aber daran lag es nicht nur.
Mir fehlt auch die Erfahrung Farben ineinander verlaufen zu lassen.
Ich lasse mich schnell von einer leeren Fläche die lediglich mit hauchfeinen Stickstrichen gefüllt wird unter Druck setzen und neige dann dazu etwas breitere Striche (durch versetztes Vor- und Zurückschieben des Gewebes) zu setzen.
Das füllt zwar die Fläche, lässt aber die Farben kaum ineinander verlaufen.
Da ist also noch viel Potenzial nach oben, was die Feinheiten betrifft.

Immer wieder ging ich an den Rechner um die Vorlage in Farbe zu sehen um meine paar Farben halbwegs sinnig einzusetzen.

Die Pastelltechnik aus der Vorlage konnte ich nicht umsetzen und musste meine Möglichkeiten nutzen.

Trotz der fortschreitenden Probleme mit dem Gewebe bin ich mit meiner Umsetzung durchaus zufrieden.

Übrigens schaute derweil mein Arbeitsplatz so aus …

Tja … und wie das so ist, funktioniert manchmal die Technik nicht so das ich keine weiteren Arbeitsschritte vom unteren Teil der Arbeit präsentieren kann.

Das Endergebnis präsentiere ich am 27ten und 28ten Februar, wo ich euch dann jeweils die Vorlage und das Stickbild zeigen werde.
Bis dahin mache ich mir noch ein paar Gedanken darum was ich aus dem verbeulten Bild nähen könnte.

Liebste Grüße,
der Micha

PS/ Es ist erst nulluhrdreiundvierzig und ich fürchte mal das die Footballer ohne mich klar kommen müssen. ;)

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Eine Freihandstickerei Challenge ist im Gange

Moin,

es ist zwar ruhig bei mir im Blog, aber nicht auf dem Nähtisch.
Viel ist passiert in der letzten Zeit. Tische wurden umgestellt und andere entsorgt. Ich brauchte mehr Bewegungsplatz.

Gleichsam kam mir der Gedanke das ich meine eigene Motivitation vielleicht durch ein gemeinsames Projekt mit einer von mir hoch geschätzten Freihandstickerin erneut anfachen könnte.
So entstand der Gedanke eine gemeinsame Aufgabe mit selbem Motiv und festem „Abgabetermin“ in DIN-A4 zu starten.

Die liebe Christine von „Dalin Sali“ war auch schnell dafür zu begeistern.
Das WasWieWann war auch recht schnell abgesprochen und Stefan von „Zeitblick-Foto“ war so freundlich uns ein Bild zur Verfügung zu stellen.

Christine hat dieses Bild als Vorschlag unterbreitet und ich war sofort Feuer und Flamme dafür.
Allerdings stellt die Umsetzung mich vor eine hohe Herausforderung, die ich im ersten Durchgang nicht erfüllen konnte.

Der Abgabetermin ist für Ende Februar 2016 gesetzt und somit werde ich hier noch keine Gesamtansicht, aber ein paar kleine Ausschnitte des ersten Durchganges präsentieren.

Begonnen habe ich mit einem Ausdruck und der Übertragung der Konturen auf das feste, nicht elastische dunkelbraune Baumwollgewebe.

Danach wurde die „Vorzeichnung“ herausgearbeitet und dann die Flächen gefüllt.

Mitten in der Arbeit gab dann Paulchen² den Geist auf und blockiert seitdem komplett im Gestänge. Die Maschine muss also auf den OP-Tisch von W6 und ich arbeite nun mit einer prozessorgesteuerten weiter, an dessen Arbeitsweise ich mich erst einmal eingewöhnen musste.

Entgegen meiner sonstigen Arbeitsweise Flächen mit ZickZackStich zu füllen entschied ich mich dieses Mal für einen reinen Geradstich. Sehr aufwändig, sehr langwierig, aber als Gesamtwerk  passend zum Motiv.

Hinweis:
Beim Freihandsticken im Geradstich ist zwingend eine Richtung beizubehalten. Entweder insgesamt oder dem Motiv angepasst. Querbeet sticken um Flächen zu füllen macht das Bild sehr unruhig.

Leider habe ich mich zu sehr von meiner Vorstellung des Bildaufbaus verleiten lassen und verlor dabei das Gesamtergebnis aus den Augen, weshalb ich mit dem Ergebniss letztlich nicht zufrieden bin.

Ich habe mir dann gestern vier Meinungen von „Nichtnäherinnen“ eingeholt um zu überprüfen ob meine Kritik auch die der Betrachtenden ist.
Die Idee war gut, die Antworten nur nicht. Oder war es anders herum? ;)
Nun. Ich erhielt natürlich, wie konnte es anders sein, von Zweien ein „Wunderschön, ABER Hier und Da passt es nicht …“ und von den anderen beiden ein „Ohhh wie wunderschön. Genauso ist es richtig.“

Es hätte mir klar sein müssen. Kunst und Betrachter halt.
Kurzum es half mir auch nicht weiter und ich entschied doch selber was damit zu tun ist.
Gestern am späten Abend hatte ich dann das Motiv erneut übertragen und sitze seitdem an der Umsetzung der zweiten Stickerei von Stefans „Nebelwand“ welches am Strandbad-Steg in Friedrichshafen aufgenommen wurde.

Gestickt wird übrigens wie beinahe immer mit Amanns Isacord.
Mein Unterfadenverbrauch beim ersten Bild waren knapp 30 Spulen.
Ein Wahnsinn was dabei an Garn drauf geht.

So schaut der Neubeginn aus:

Sooo und damit verabschiede mich wieder an die Maschine.
Herzlichst,
euer Micha

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