Besuch des archäologischen Museum und Park Kalkriese – Varusschlacht

Eisekalt war es an diesem Samstag im Januar.
Allerdings schneefrei und die Sonne schien, somit konnte ein längst geplanter Besuch der Varusschlacht im OsnabrückerLand erfolgen.

Vorweg sei gesagt, da ich nun sehr viele Bilder eingefügt habe und es ein sehr langer Text wird, dass ich den Besuch des Museums absolut empfehlen kann.
Wer also nicht lange lesen und gucken will, der kann schon mal seine Reiseplanung in Angriff nehmen.

Von meinem Zuhause in Georgsmarienhütte ist es um die 30KM entfernt, also auch eine Tourmöglichkeit für Flipper.

Mit einer meiner Exen fuhr ich dann allerdings mittels PKW zum Museum.
Um Besucher anzulocken und die trüben Wintermonate zu überbrücken, hat man dort vom 11ten bis zum 25. Januar eintrittsfreie Tage eingeführt.
Eine gute Idee.
So kann man es sich mal anschauen und für sich entscheiden ob einem der Weg und der Eintritt die Sache wert ist. Museen sind nicht jedermans Sache und Geschichte kann fürchterlich langweilig sein.
In meiner Schulzeit gab es nur einen Lehrer der Geschichte spannend vermitteln konnte. Leider war sein Lieblingsthema der dritte Weltkrieg, aber wenn man zwischen den Zeilen zuhörte, konnte man durchaus das Grauen der Landser heraus hören.
Natürlich war bei ihm alles heroisch und seine Kampftruppe sowieso die Beste, aber es gab halt auch Worte wie Hunger, Kälte, Angst, Bombenlärm und Schmerz.

Okay zurück zur Varusschlacht und damit ins neunte Jahrhundert nach Christus.

Zunächst einmal waren an diesem Samstag fürchterlich viele Sonntagsfahrer unterwegs. Der eine bremste unvermittelt. Die nächsten schafften kaum die 40KM/H auf dem Tacho … trotz Dose. Ätzend. Einige Überholvorgänge später, verpasste ich die Einfahrt zum Museum … fuhr einen knappen Kilometer weiter und parkte dann an der Varus-Deele (= Varus-Diele).

Einem Landgasthof mit Stellplätze für Wohnmobile.
Besonders schick sah es aussen leider nicht aus. Alles etwas ungepflegt, aber egal, wir wollten ja erstmal nur parken, das Museum besuchen und danach vielleicht dort auf einen Tee einkehren.

Oben liegt die Bundesstrasse 218, auf der bei dem tollen Wetter auch ein paar echte Biker unterwegs waren um den Tag zu geniessen.

Für uns ging es Fuß zurück, entlang der Hauptstrasse zum Museum.
Was mir bis dahin gar nicht klar war, dass der Mittellandkanal direkt dort vorbei läuft.
Auf dem Bild ist hinten einer der fahrenden Frachter zu sehen.

Nachdem wir das Museum betreten hatten, konnten wir im hellen Vorraum, wo auch Kasse und Einlass ist, bereits einiges an Informationslektüre, Bücher, Spiele und Figuren entdecken.
Es fiel auf dass das Angebot auch die Jüngsten ansprechen soll und kann.
Für mich, als ebook-Leser waren besonders die Bücher interessant.
Die Bücher von Tommy Krappweis standen dort ebenfalls dabei, welcher in „MARA“ die Götter- und Sagenwelt der Germanen einbringt.
Die Verfiilmung wird wohl im April 2015 in die Kinos kommen.
Tommy Krappweis kennen die meisten aus „RTL Samstag Nacht“ und als Erfinder von „Bernd das Brot“.
Ich bin gespannt auf seine Triologie, die ich mir bereits zugelegt habe, welche aber noch warten muss, weil ich gerade „Die Bestimmung“ lese, dessen Film ich bereits angeschaut habe und spannend genug fand, um nun in die Tiefe zu gehen. Bücher sind halt Bücher und meist spannender, interessanter als die filmische Umsetzung.

Nachdem wir den Kassenbereich verlassen und uns eine „Laufkarte“ mitgenommen haben, ging es dann hinaus in die Kälte. smile

Aussen stehen überall Erklärungstafeln am Wegesrand, sodass man immer gut informiert wird, was hier zu sehen ist und auch wie es zu dem Fundstück kam, oder was es mit dem Kunstprojekt auf sich hat.

Direkt auffällig war auch der „Turm“, den ich erstmal nur als möglichen Ausguck wahrnahm, welcher sich dann aber als der museale Teil des Museum herausstellte, indem man mehr über die Geschichte, die Persönlichkeiten, die Künstler und auch über das dritte Reich erfahren kann, welches die Geschichte der Schlacht für ihren Nationalsozialismus teilweise missbrauchte.

Unterhalb des Turms befindet sich, geschützt, „das Botanikum“ welches zum verweilen einlädt.
Ich habe es mir nicht näher angesehen, da ich es im Winter fälschlicherweise nur für eine geschützte Ecke hielt. Mal schauen ob ich mir die 7,50€ Eintritt im Sommer leiste um mir das Ganze nochmals genauer anzuschauen.

Nachdem wir den Turm bestiegen hatten (genaugenommen fuhren wir mit dem
Aufzug hoch), konnten wir „unsere direkte Umgebung“ geniessen.

Man wohnt nicht wirklich schlecht zwischen Wiehengebirge und TeutoburgerWald.
Der „Dümmer See„, das Hermannsdenkmal, die Exter-Steine … all das liegt in mittelbarer Umgebung meines Wohnortes und durchaus auch mit dem Moped als Tagesfahrt anzunehmen.

Empfehlenswert ist auch der Abgang über die Treppe, auf der man sich gedanklich auf Kontroversen einstellen kann.

Zurück zum Museumsbesuchs.
Im Turm, befindet sich auch die grosse Ausstellung zur Varusschlacht und deren Fundstücke.

Bevor man den Museumstrack betritt, kann man die bereits erwähnte Geschichte und Erzählungen an einigen Schautafeln nachlesen. (Deutsch und Englisch).

Zwei hochinteressante Videos sind zu Beginn in einem Nebenraum zu sehen, die auch verdeutlichen dass alles anders sein könnte, wenn diese Schlacht nie stattgefunden, oder das römische Reich gewonnen hätte.
Was wäre dann? Würde es dann heissen „Wir sind das Volk“ für die Rechte aller Römer“?
Wie gesagt, ist alles in und auf dem Museumsgelände spannend und sehr tiefsinnig präsentiert und durchdacht. Man muss nur bereit sein sich damit zu beschäftigen und den eigenen Standpunkt zu verlassen.

Nachdem wir uns die Videos angeschaut und unsere Taschen in den Schliesschränken (1€ mitnehmen) verstaut hatten, ging es in die eigentliche innere Ausstellung.
Direkt zu Beginn läuft man entlang eines riesengrossem, beidseitigem „Wackelbild“ auf dem sich zur Linken und Rechten ein paar Kämpfer beider Lager „verstecken“.
Man muss sich schon ein wenig anstrengen um sie zu entdecken.
Leider ist es im Bild nicht zu erkennen, dass sich hinter dem rechten hellen Baum, linksseitig ein Krieger abzeichnet, der bei dem richtigen Blickwinkel deutlich zu erkennen wäre.

Jetzt, im Winter, wo kaum was los ist, kann man sich die Zeit und Ruhe nehmen um die Figuren zu suchen.
Wie das im Sommer, mit Horden von Kindern funktionieren soll ist mir schleierhaft.
Die paar Familien mit ihren Kindern verbreiteten bereits jetzt viel Hektik und vorallem Lärm (Kinder müssen halt fragen, rufen und auch ein bisschen herum tollen … und das ist gut so).
Die Informationen durch Schauschränke, aufziebare Schubladen, drehbare Infotafeln, Videos, Installationen sind so vielseitig und informativ erschlagend dass ich nicht einmal in dieser „Beinahe-Ruhe“ 50 Prozent dessen aufnehmen konnte, was mir das Museum bereit stellt.

Mittig nach dem Durchgang steht eine Abbildung der gefundenen Maske in Übergrösse.

Die Ausstellungsstücke kann ich unmöglich beschreiben.
Somit belasse ich es bei den Bildern und versuche nur das besondere zu erklären.

In der folgenden Installation findet ein Dialog zwischen „Varus und Arminius“ auf zwei Kugelbildschirmen statt, in deren Mitte man dem Gesprächsverlauf folgen kann. Es gibt drei mögliche Sprachverläufe, die ich mir allesamt nicht angehört habe, weil es durch die anderen Besucher doch sehr unruhig wurde (und weil ich nicht wusste was dort auf mich zukommt).

Eine weitere Installation ist der „Videoboden“ auf dem man einzelne Fundstücke durch begehen, offen legen kann.

Erwähnenswert ist auch noch die Umsetzung des Engpasses, durch den die Schlacht letztlich wohl auch entschieden wurde.

Im lichtdurchfluteten zweiten Raum, indem dieser Engpass zu sehen ist, steht auch die Nachbildung der römischen Armee.
Dargestellt durch tausende Figuren, in der Form, welche sie wohl beschritten haben.
Sehr eindrucksvoll.

Nicht so schön, aber wohl nicht zum umgehen, ist der Abdruck eines Vogels an der grossen Fensterfront, welcher wohl das Glas nicht gesehen hat.
*KannManNixMachen

Desweiteren befinden sich in diesem Raum jede Menge Münzen, Reste von Bekleidung und Knochen.

Weiter ging es dann in den dritten Saal, welcher sich auf dem 450qm grossen Ausstellungsbereich anschloss.

Und damit wurde der gut geheizte Innenbereich auch beendet … aber es gibt ja noch das Aussengelände.
Ja, ich weiß … ganz schön viel Text … aber hilft ja nichts. smile

Im Aussenbereich befinden sich viele Steinplatten, mit wichtigen Informationen, wie auch mit Anregungen um sich Gedanken über das Gesehene und die Geschehnisse zu machen. Insgesamt ist dieser Ort ein Platz um sein eigenes Denken und Handeln zu bewerten und sich neu zu positionieren.
Zeit muss man allerdings mitbringen. Sowohl für den Besuch, als auch für sich, währenddessen wie auch nachfolgend.

Aber zurück in die Kälte, die nun etwas ungemütlicher wurde, weil dunkle Wolken die Sonne teilweise vertreiben.
Hier ist eine Platten die man am Wegesrand entdeckt, auf dem Weg zum Pavillion „Fragen“.

Die drei Pavillons sind allesamt aus rostendem Metall erstellt, welches wohl einerseits die Stärke, als auch die Vergänglichkeit in Szene setzt.
Der Pavillion „Fragen“ lag zuerst auf unserem Weg

Der Pavillion „Hören“ liegt etwas verborgen und wurde durch uns nur entdeckt, weil die Bäume keine Blätter tragen (und weil wir dem Laufplan keine Beachtung schenkten ; ) ).

Tja …. und damit endet die Reise hier … denn sowohl mein Handy, als auch die Kamera haben keinen Saft mehr in den Akkus.
(Ich höre euer „Gottseidank“ bis hier hin ;) )

Der Pavillion „Sehen“, wie auch die Feuerstelle (von der ich allerdings enttäuscht war) und das derzeit geschlossene ArchäOmobil lagen noch auf unserer „Wanderstrecke“, bevor wir gut gelaunt aber hungrig und etwas verfroren das Gelände wieder verliessen.

Vielleicht ist es auch ganz gut das ich keine weiteren Bilder einstellen kann.
Somit könnt ihr euch euer eigenes Bild machen … und ich habe noch frisches Bildmaterial um mehr zu erzählen, wenn ich das Museum wieder besuche.

Beste Grüße,
der Micha