Ein langes Wochende auf Borkum – Teil drei von drei

Sooo … die Nacht war wieder einmal kurz.
Eine Gruppe Niederländer die mit dem Bulli einer Zeitarbeiterfirma vor dem Haus parkten und reichlich laut soffen musste ich dann mal um halbeins ins Bett schicken.
Das darauf folgende Gerummse, Gewerfe der Werkzeugkoffer und Türenknallen hatte ich bei den Assis erwartet.
Das man 3 Minuten lang Bettgequitsche hörte allerdings nicht.
Naja. Niederländer halt die sich im Ausland aufhalten. Seltsamerweise haben alle Völker irgendwo die selben schlechten Gewohnheiten.
Gottseidank kenne ich solche Leute nicht persönlich.

Wie auch immer liess ich den Wecker wieder um sechs vor sich hin meckern und machte nur eine Katzenwäsche. Duschen konnte ich entspannt zu Hause.
Denn heute geht es schon wieder zurück.

Am Morgen war der Himmel kurzfristig etwas bewölkt und in der Nacht muss es wohl geregnet haben. Denn auf dem Platz war einiges nass.

Nachdem ich das Bett abgezogen und in Ruhe meinen Rucksack gepackt hatte, ging ich vor Türe zum dampfen und meinen Morgenkaffee.
Die Hühner schlichen auch schon wieder herum und suchten was zum aufpicken. Allzuviel war da aber nicht.

Wie auch den Morgen davor war niemand anderes auf den Beinen. Vom Personal mal abgesehen.
Sehr angenehm.

Während ich den Kaffee genoss …

… machten es sich die Hühner kuschelig.

Der Himmel klarte auch auf und die Sonne brachte einen neuen Schub Sommerbräune mit sich.

Nach und nach füllte sich der Platz und das Restaurant.
Ich schmierte mir noch zwei Brötchen für die Reise und dann ging es, nach meiner Beschwerde an der Rezeption über die nächtlichen Störer, wieder an den Hafen und rauf auf die Fähre.
Diesesmal nahmen wir nicht den Katamaran.
Eigentlich gut weil man dann langsam wieder zurück kam, aber andererseits nicht so toll weil das Schiff ewig unterwegs war und man nicht einmal am Oberdeck rauchen bzw. in meinem Fall dampfen durfte.
Es gab nur eine kleine unfreundliche Raucherecke, die fürchterlich stank weil einige zu blöde sind die Kippen auszumachen bevor sie sie in den Aschenbecher versenkten.
Die Folge: Die alten Kippen und vorallem ihre Filter qualmten den Bereich zu.
Ätzend.

So war also schon der Beginn der Rückreise nicht der Hit.
Das setzte sich dann fort als wir in Emden in den Zug stiegen und im zugewiesenen Wagon (wir brauchten eine Behindertentoilette in Reichweite) kein WLAN verhanden war und das WC auch nicht das machen wollte was es sollte.
Also nochmals umziehen.
Das machten wir dann dreimal bis alles passte.
Mit vielen Leuten, teilweise im Rolli und viel Gepäck (die meisten hatten Zeug für 3 Jahre dabei) machte das wirklich keine Laune.
Nun gut. Bis zum Umstieg in Münster war die weitere Fahrt ereignislos.

Weite Fotos folgen nun nicht, weil alles weitere nur noch ätzend war.
Darum hier die Kurzfassung:
Der Zug den Richtung Osnabrück nehmen wollten, bekam alle 5 Minuten ein Update das er sich verspäten würde … insgesamt dann 25 Minuten.
Nachdem das Teil dann endlich mal ankam, ging das ganz grosse Bahn-Kino los.
Ein vollkommen planloser Schaffner der mitteilte das der Zug mal hier, mal dort, mal woanders stoppen müsse weil eine Person auf den Gleisen gesichtet wurde.
Wir stiegen dort aus wo wir die letzte Info zu bekamen und bekamen dann durch andere Fahrgäste gesagt das er nun doch weiter führe.
Das Adrenalin war auf Höchstwert und ich verweigerte eine Weiterfahrt mit diesem Drecksbeförderungsmittel.
Also ging es in einem privat hinzu gerufenen PKW für vier von uns weiter.
„Unsere“ Leute trafen wir dann natürlich dennoch nicht erst in Osnabrück, sondern an der Station die auf unserer folgte.
Mitten im Niergendwo auf dem Land.
Als wir bei ihnen eintrafen war die Stimmung explosiv und ich gestresst bis zum geht nicht mehr. Toller, teurer Urlaub.
Nie wieder mache ich eine Reise mit denen. Das ist mir zu chaotisch, zu teuer und null entspannend.

Da ich nicht abgesagt habe, wie es mir mein Bauch riet, habe ich zumindest einen Katamaran und eine Insel kennengelernt.
Also war die Fahrt wenigstens nicht vollends für die Tonne.

Zuhause erwartete mich dann Post als wäre ich zwei Wochen unterwegs gewesen.
Die Versicherungen sind ebenso angekommen wie meine neuen H4-Leuchtmittel für die graue Maus.

 

Und damit beende ich den Reisebericht und wünsche euch alles Liebe,
der Micha

 

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Irgendwann musste es ja so kommen

Vorgestern bekam ich einen Anruf das eine meiner Exen ins Krankenhaus nach Lohne kam. Bakterielle Lungenentzündung war angesagt.
Wie das so ist, fehlt einem Dies und Das an Klamotten, Geld und Technikkram.
Von mir bis nach Lohne sind es um die 75KM, also eine „normale“ schöne
Tour, da sie mich am Dümmer-See vorbei führt (welchen ich mit dem Rollerkollegen „Sani“ bereits umrundete).
Eine Rufnummer fürs Zimmer hatte ich erhalten und somit kündigte ich
meinen Besuch für gestern an. Einen Gang zur Bank müsste ich machen und
ganz wichtig ein Handyladegerät aus einem Technikladen kaufen.

Ich fuhr dann gestern gegen 11:00 Uhr los und gedachte zum Kaffee in
Lohne zu sein. Mit den Besorgungen passt es dann in der Zeit um sich ein
Kuchen zu holen und die Rückfahrt gemütlich anzugehen.

Bis kurz vor Diepholz kam ich als der Vortrieb ausfiel und sich
stattdessen ein schabendes Geräusch bemerkbar machte. Mitten auf der
B51.
Der erste Griff ging zum Schlüssel um den Motor abzuschalten, erst
danach bremste ich ab und lies die Maschine auf den Fussgängerweg
einrollen.
Um mich herum die endlose Weite der norddeutschen Tiefebene und ein paar Bauernhöfe.
15 Meter vor mir war der Nächste und es stand ein PKW davor. Die
Stalltüren waren ebenfalls offen und da es ganz leicht nieselte schob
ich die Maschine zunächst einmal zwischen zwei grosse Bäume auf deren
Hof und hoffte darauf das mich nicht gleich zwei grosse Hunde
zerfleischen. Erfreulicherweise kam kein Hund zu mir und ich richtete
mich erst einmal ein.

Jacke aus. Topcase auf. Werkzeugkoffer geschnappt. Varioabdeckung auf … theoretisch.
Praktisch zog ich zunächst mal meine Lederhandschuhe wieder an, denn ohne konnte ich die Vario nicht anfassen.
Schraube hier und da … und der Deckel lies sich abnehmen.

Das Gewusel darin sind keine Schwalbennester sondern die Reste des Keilriemens.



Hier die weiteren Reste in der Abdeckung

und hier der gesamte „Keilriemen“ in handlich luftiger Form.

Tja … Keilriemen … ich habe zwei Stück zuhause … und den Schlagschrauber und den Drehmomentschlüssel.
Das Varioblockiertool habe ich ja auch nicht passend.

Zunächst einmal die aufkommende Panik unterdrücken und überlegen wen man denn eigentlich anrufen kann.
Viele Leute kommen nicht in Frage, da meine Freunde im Bereich
Düsseldorf leben. Die meisten derer die im Osnabrückerbereich Ansässigen
haben eh kein Fahrzeug … einen Hänger oder Transporter besitzt
niemand … viele sind arbeiten und im ADAC bin ich mangels Kohle nicht.

Mal eben den ADAC zu Hilfe rufen kann ich mir finanziell auch nicht leisten.

Was blieb war der Bauernhof und die Hoffnung auf einen Mopedladen in der Nähe.
Ich überwand mich und klingelte an der Türe. Eine ältere Frau machte
auf, ich schilderte mein Problem und das ich hier gestrandet wäre und ob
es einen Motorradhandel in der Nähe gäbe.
Moment sagte sie und rief ihren Sohn.
Selbiger kam, hörte sich alles an und half.
*wow

Er stellte fest das es ein Roller ist und ich sicherlich eher einen
Rollerhandel bräuchte, da ein Keilriemen dort wohl eher die richtigen
Masse hat.
Yepp, dem stimmte ich zu und merkte mir das schonmal für die Zukunft.
Er brauchte noch eine halbe Stunde, fuhr aber dann mit mir zurück an den
Dümmer zu einem Vespahändler. Gute Idee weil es eine alteingesessene
Firma war, aber leider hatten sie keinen Keiler in der gewünschten
Grösse (mal gut das ich die im Kopf habe, denn das Handbuch schweigt
sich ja aus).
Sie hatten zwar nicht das Ersatzteil aber einen Tipp mit einem weiteren
Händler, der allerdings in Diepholz sitzt. Vorher wurde dort noch von
meinem Fahrer angerufen und gefragt ob er einen Keiler da hat. „Ja hat
er“ und schon ging es wieder los auf die B51 … wieder zurück … an
Haus und Tuxie vorbei und ab nach Diepholz.

Keine 30 Minuten später und eine erste Buchung von 17 Euro auf meiner EC Karte weiter, sass ich mit Keiler an Tuxie.
Eine 17er Nuss und ein Kreuz konnte man mir am Haus ebenfalls zur Verfügung stellen. Da mir das Blockiertool fehlte, musste es heute mal mittels Blockierung durch einen Gabelschlüssel gehen.
Theoretisch kein Problem, allerdings leiden die Zahnräder dabei. Hier
ging es aber nur um eine Notreparatur. Es musste halten um wieder nach
Hause zu kommen.

Ich drückte, zerrte und machte, aber die Mutter bekam ich nicht auf. Keine Chance.
Mein Fahrer, der dabei blieb, schlug dann vor mich vom Diepholzer Händler abholen zu lassen.
Abholen?! Eine gute Idee … wenn mein Konto denn mindestens 200 Euro im Plus wäre.
Ich gab meine Bedenken zum Ausdruck, er meinte aber das es nicht so teuer würde und ich mich da sicherlich einigen könnte.
Nunja … die grosse Auswahl an Möglichkeiten hatte ich nicht. Den neuen
Keilriemen bekam ich so nicht aufgesetzt und die Variomatik muss
sicherlich auch noch von Resten des zerfetzten Keilers befreit werden.
(„Das ich sie allerdings nicht hin und herschieben kann, wundert mich
schon etwas … aber wahrscheinlich liegt nur eine Variorolle quer“)

Mein Fahrer rief also den Händler erneut an und sagte mir das dieser eine Stunde später erscheinen würde.
Alles Bestens.
Damit musste er sich dann auch mal verabschieden, bot mir aber vorher
noch etwas zu trinken an, was ich nicht auch noch in Anspruch nehmen
musste, da ich einen Saft dabei hatte.
Meine Bitte auf kleine Entschädigung in Form einer kleinen Tankfüllung lehnte er (gottseidank) ab.
Er war selber Biker und fuhr einen 800er Kawa Chopper. Schick.
Somit war bei dem ganzen Unglück, das Glück mir dennoch hold.

Um kurz nach zwei kam dann auch der Schrauber mit Transporter und wir fuhren nach Diepholz zur Werkstatt.
Er nahm den Druckluftschrauber … öffnete die Variomutter … entnahm
die Variomatik … schaute und staunte und zeigte mir das Gebilde

Die Variohülse hat sich abgedreht und dadurch den Keilriemen zerlegt.
Durch die nicht mehr eingepasste Hülse hatten sich die Gewichte zerlegt.
Der Anlasser (Freilauf) hat ebenfalls Schaden genommen. Ohne Freilauf könnte ich nicht weiter fahren.

Variomatik und Gewichte hat man im Laden, aber der Anlasser ist speziell und nicht vorhanden.
Stehen lassen wollte man mich aber auch nicht, somit dengelte der
Mechaniker den Anlasser wieder funktionstüchtig (ich war mehr als nur
beeindruckt).
Bevor ich gross arbeiten lies, sprach ich mit dem Chef das meine
EC-Karte wohl bei spätestens 50 Euro Ende sagt, ich aber definitv den
Restbetrag anweisen lasse.
Natürlich ist man nicht begeistert, aber als Chef mit Herz weiss man um die Notlage und hofft darauf das alles gut gehen wird.

Er berechnete mir … unter Abzug des Datums, meiner Ehrlichkeit, seines
grossen Herzens, meiner Notlage und der allgemeinen Grosswetterlage 45€
für Abholen, Mechanikerstunde, Variomatik, Gewichte, dengeln und
Rundumblick.
Damit lies er, ganz bewusst, 5 Euro auf meiner EC Karte damit ich wenigstens noch tanken kann. (Ich war den Tränen nahe …)

Und kurz vor dem Heulen war ich dann als die Karte die Zahlung
verweigerte … also 40 statt 45 … keine Chance … also 30 statt 40
… ich lief vor Scham sicherlich hochrot an, aber die Zahlung wurde
akzeptiert.
Er wollte mich schon verabschieden, als ich um die Daten bat damit ich
den Restbetrag zahlen kann. (Er hätte es wohl dabei belassen … ).
Er machte mir die Rechnung fertig und ich werde die Tage überweisen.

Da ich kurz vor dem Krankenhaus war (20 Minuten entfernt), fuhr ich dann
doch noch zu meiner Ex und konnte ihr noch mit Ladegerät und einem Gang
zur Bank weiter helfen.
Tuxie hört sich seltsam an, scheint nun statt im zweiten im ersten Gang
zu laufen und nicht mehr in den zweiten zu schalten. Endgeschwindigkeit
reine 45KM/h. Aber sie läuft!
Der Rückweg wurde dann anders.
Auf dem Weg durch die Dammer Berge (das sind schon kräftige lange
Steigungen) zuckte Tuxie als ob der Riemen rutschen würde. Die
Endgeschwindigkeit blieb zwar, aber ein Anfahren an einer Steigung war
beinahe unmöglich.

Das Gezucke, das nicht anfahren und das Tuxie auch bei der Abfahrt kaum
Geschwindigkeit aufnahm lies mich schon daran glauben das ich sie im
Wald entsorgen muss und sprach streichelnd und flehend auf sie ein. „Bis
nach Hause bitte!“
Und sie brachte mich nach Hause. Meckernd, Zuckend. Ohne Anzug … aber
ich bin angekommen und nun muss ich das erst einmal verdauen.

VIELEN, VIELEN DANK meinem Retter in der Not (Graftlage 30, 49356 Diepholz).
Natürlich auch der Firma KM-Moto aus Diepholz für die Hilfe in der Not.

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Tuxie steht

Das wars dann erst einmal. Sie zog ja eh nicht durch, aber heute fiel sie dann komplett ab und verabschiedete auch ihre Vario.
Gottseidank war ich gerade nicht auf Tour, sondern nur 2KM von der
Werkstatt entfernt. Ich schob also Tuxie bis dort und nun bleibt sie da
und wird gemacht.
Kosten? Keine Ahnung … aber eines ist sicher … teuer wird es.

Die kommenden Termine werde ich also mit meinem Bike machen müssen.
Ich bin begeistert.

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