Tasche aus alter Jeans – Variante 001

Früher mal … also ganz früher … damals halt, da haben mich die Taschen der Mädchen fasziniert die ihre Jeans zur Schultasche machten und sie entsprechend mit Edding und/oder Nippes verzierten.
Die 68er waren es nicht, aber nah dran smile

Heutzutage … nachdem ich mit beinahe 50 auf die Idee kam das mich das nähen zurück zur Kunst bringen könnte, wird es Zeit eine ebensolche Tasche herzustellen.
Natürlich ganz bewusst ohne Schnittmuster, allerdings mit Hilfe meiner NäMa. Eine eigene NäMa wäre in meiner Jugend kein Gedanke gewesen (viel zu teuer).
Letztenendes habe ich für die Tasche noch keinerlei wirkliche Verwendung, nutze aber die Gelegenheit mich weiter mit meinem „Paulchen“ vertraut zu machen und besonders dabei die Grenzen meiner Maschine kennen zu lernen.

Nachdem ich die Beine der Jeans abschnitt und die Naht übereinander legte, kam mir der Gedanke das ich gerne einen breiteren Boden hätte.
Somit nähte ich ein Rechteck über eine Längs- und beide Seitennähte von links an.

Als Nächstes kümmerte ich mich um den Innenstoff, welchen ich aus meinem letzten Restekauf abnahm.
Die Stoffart … hmmm … sehr dicht gewebt … gut geeignet für Bezüge, Übergardinen etc.. Fragt mich aber nicht was es nun für ein Stoff ist … ich weiss es nicht und habe es nicht notiert. Jedenfalls ist er recht flutschig.
Dieses „Flutschige“ in Verbindung mit einer Jeansoberkante ergab dann ein paar Ansätze und ein paar Mal auftrennen bis der Stoff als Innenfutter dienen konnte.

Das Hauptproblem dabei war die Obernaht der Jeans. Die beiden Lagen Jeans schafft meine Maschine zwar problemlos … auch die darauf liegende Schicht des Innenstoff ist für Motor und Nadel noch kein Problem.
Dennoch kam ich nicht weit, da ich die Schlaufen für den Gürtel nicht ohne weiteres über den Transporteur und unter den Nähfuss bekam.
Die Schlaufe hing an Abdeckung fest und der vorhandene Höhenunterschied war dann doch zuviel für Motor, Nadel und Garn. Sie nähte zwar durch, aber der Faden verwurschtelte sich dermassen das sie sich fest frass. Also erst einmal Stopp, das Fadenwirrwarr entfernen, alles wieder auftrennen und auf ein Neues.
Nach zwei weiteren Versuchen gab ich es dann dran und vernähte A) den Innenstoff unterhalb der Saumkante(?) des Oberstoffes und B) trennte ich vorher die Schlaufen auf, sodass ich „nur“ noch die Jeans mit Innenstoff unter dem Nähfuss hatte.
Dachte ich zumindest … bis mir auffiel das ich die Taschen vergessen hatte, durch deren Jeansnähte sie ja ebenfalls nähen musste.
Nachdem es mir klar war, nähte ich dann sehr zügig den Innenstoff fest, damit sie nicht stehen blieb.
Teilweise hatte ich also zu Beginn:
2 Lagen Jeans der Oberkante
1 Lage Innenstoff
4 Lagen der Schlaufe (da die Oberkante der Schlaufe zur Verstärkung umgelegt vernäht war)
sowie 1 Lederschild mit dem Jeansnamen
und / oder
2 Lagen Jeansnaht der Aussentaschen.
Es lagen also bis zu 9 Lagen Stoff unter dem Fuss … kein Wunder das sie dann streikt … aber ein Wunder das mein Paulchen das alles so klanglos hinnimmt und nach seiner Säuberung der Fadenreste wieder ans Werk geht als wäre nichts gewesen.
Ich nähe übrigens mit der original 70er Universalnadel.

Nun kämpfe ich seit Tagen damit ob und wie ich die Seiten verstärke. Nähe ich diese ab oder lasse ich es so „fallen“? Da der Boden ja rechteckig genäht wurde, ergibt sich die Form beinahe von selbst. Wenn ich nun an alle vier Seiten einen Henkel anbringe, wird die Form erneut unterstrichen … aber ein stabiles Rechteck wird es nicht sein.
Ich dachte auch schon daran das ich die Seitennähte von oben nach unten abnähe, oder Vlies in die Seite bringe, oder einen Einsatz fertige (2 Seitenteile und ein Bodeneinsatz) den ich dann mittels Klett „befestigen könnte (falls die Tasche mal gewaschen werden soll).

Somit habe ich nun die Stoffe bereits etliche Male abgesteckt und wieder von den Nadeln befreit.
Ein Versuch die Seitennähte abzunähen ging schief da ich dann wieder über die Aussentaschen nähen muss und ich zuviel Jeanslagen unter den Fuss bekomme.

Ich denke also weiter darüber nach wie ich nun weiter mache.
Es sollen übrigens auch noch Innentaschen angebracht werden, somit muss ich mir noch sehr sorgfältig überlegen wann ich was wo ab-/vernähe.

Ja … ich stehe mir wieder selbst im Weg … aber so bin ich halt.

Liebe Grüsse sendet euch,
der Micha

02. Juni 2012

Nach langer Abstinenz hatte ich mir gestern einen reinen Handarbeitstag vorgenommen.
Vorgestern kamen meine bestellten 5 Meter Vlies (S320) und bügelte es auf Boden und Seitenteile.

Nachdem das Vlies fest sass, nähte ich die Seiten ab. Was sich aufgrund der vielen Lagen Jeans nicht nur schwierig gestaltete,

sondern mich 3 Nadeln kostete.

Das die Maschine diese Schläge verkraftet wunderte mich schon, da ich bei der zweiten Nadel beinahe mit Vollgas nähte und die Nadel brutal auf die Stichplatte einschlug. Aber alles gut

Danach war ich so gefrustet das ich den Rest manuell übers Handrad annähte.
Nun bin wieder ein Stück weiter … aber noch weit entfernt von der Fertigstellung.

09. Juni 2012

Und wieder einmal ging eine Woche ins Land.
Dafür war ich dann vom achten auf den neunten fleissig und habe erfolgreich eine Menge schiefer Nähte produzieren können.

Dieses wird die Innentasche für meinen ebook-Reader. Für das Innenfutter habe ich zum Displayschutz einen Chiffon gewählt.
(Die umgeschlagene Ecke dient nur zum zeigen des Futterstoffs)

So schaut das dann vernäht bei mir aus.
Dummerweise hatte ich den Innenstoff der Tasche bereits geschlossen. Ich nähte die Innentasche in einer Falz an. Gar nicht schön.

Am heutigen Ende kam dann noch der Kampf mit Träger und Verschlüsse. Für das erste Mal klappte es relativ gut. Fest ist es auf jeden Fall. Alle meine Nähte sind mehrfach vernäht.

Nein, das ist immer noch nicht das Endergebnis, aber schon nah dran.
Die Schabrackeinlage in den Seiten und am Boden ist jedenfalls viel zu weich für meine Vorstellung … aber auch so etwas muss man ja erst einmal verarbeitet haben bevor man weiss was man haben muss/möchte.

Erstaunlich was ich bei diesem, doch eigentlich simplen Projekt, aus der Vielzahl meiner Fehler bereits lernen konnte.
Spass macht es jedenfalls immer noch.

Nachtrag:

Die beiden Gurtbänder für das Tragen über die Schulter finde ich zwar gut (wenn auch zu schmal) aber es lastet doch sehr auf den Schultern. Somit habe ich dann aus einem Teil des Hosenbeines, einen Durchlauf hergestellt, der in der Mitte zusätzlich abgesteppt ist. Die Tasche trägt sich nun schon mal sehr gut auf der Schulter … und Dank des verstellbaren Bandes in den Klickverschlüssen kann ich sie auch in der Hand tragen.

Aber wie gesagt … ich bin noch nicht fertig damit.

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