Mein „Paulchen“ stickt auch

Als ich im Januar meine erste NäMa erhielt hatte ich keinerlei Ahnung von der Materie. Lediglich die Freude auf eine mir neue Möglichkeit der künstlerischen Gestaltung war im Übermass vorhanden.
Mein Paulchen wurde ja schon diverse Male von mir hochgelobt, aber sie ist eine Nähmaschine und kann bei den tollen Stickereien nicht mithalten, die ich bei einigen von euch sah. Dieses Bedauern teilte ich dann vor drei Monate in einem Forenbeitrag mit, woraufhin Doli dann auch sofort antwortete das es per Freihand durchaus möglich wäre … und fixte mich mit dem passenden WIP an.
Vollkommen unbedarft und unwissend wie ich war kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus … aber vor dem Sticken wollte ich dann doch erst einmal versuchen die Maschine ihrer eigentlichen Bestimmung auszusetzen (was ich ja dann auch diverse Male tat).

Irgendwie bin ich dann die Tage hier im Forum von einem Thread zu einem anderen gekommen und landete dann bei einem alten Thread über das Freihandsticken/malen mit der Nähmaschine. Die UserInnen zeigten dort ihre Werke und ich erinnerte mich daran das ich vor vier Wochen bei W6 einen Stickfuss bestellt hatte, der aber nachgeliefert wird.
Das mit dem nachliefern ist ja okay, wenn ich nicht schon so gespannt auf das sticken wäre.
Gottseidank stand in dem Thread auch das man durchaus ohne entsprechenden Fuss sticken kann.
„Och, das geht auch??? Dann mach ich das doch“ laugh

Der erste Versuch ging daneben. Jeansstoff auf dem ich ein Blatt Papier gelegt habe. Das Ganze eingespannt und losgenäht …. ging nur kurz gut, dann hob sich das Blatt Papier immer wieder ab, mein Oberfaden riss ständig und der Unterfaden fand sich als grosses Geknubbel wieder.
Ich brach ab und stellte fest das ich darauf achten muss das sich der Stoff möglichst nicht nach oben bewegen kann.
*Mangels Fuss kann ich den Haltearm des Fuss nicht runterlassen da er mir ansonsten den Stoff einklemmt, aber wenn ich den Stoff fest im Stickrahmen habe und das Motiv vorher mittels Kohlepapier übertragen habe, sollte es wohl klappen.

*Hinweis: Es ist eine ganz „dumme“ Idee den Nähfuss zum sticken und/oder nähen nicht abzusenken, da sich dann die Spannungsscheiben nicht schliessen und es zu keinem Nähergebnis kommen kann.

Also Motiv gesucht, Stoff eingespannt und das Motiv aufkopiert.

Den Stickrahmen bekam ich so gerade eben unter die Nadelhalterung.
Ich stellte einen Geradestich, mit Länge 0 und Breite 5 (damit die Nadel mittig steht) ein.
Natürlich legte ich vorher die Transporterabdeckung auf.
Versenken kann ich den an der 1235 nicht.
Ich benutze mein Standard 120er Polyestergarn.
Die Nadel lasse ich ebenfalls drin. Es soll ja nur ein Test sein. (Nadel: Jeans 100er Stoff: Leinen).

*Hinweis: Die Verwendung einer Jeansnadel sollte auch nur in diesem Gewebe zum Einsatz kommen. Die Nadel hat den Namen nicht einfach nur so. Das gilt auch für anderes Zubehör.
Oberspannung lasse ich auf 4 stehen.

Ich entschied mich rechts zu beginnen und wollte mich dann runter und links wieder hoch arbeiten.
Soweit die Theorie.

Bei der Arbeit fiel mir dann auf das ich gerne eine Taste zum automatischen vernähen hätte. Hat Paulchen aber nicht und ich hangelte mich recht flott von einem Strich zum nächsten.
Hin und her schob ich den Stickrahmen. Von der Umrandung in den Innenbereich und wieder zurück.
Das dauernde drüber nähen mochte mein Garn und die Fadenspannung (es gab ja keine Fadenspannung, was ich zu dem Zeitpunkt aber noch nicht wusste) gar nicht.
Das erste grosse Knäuel entstand nachdem ich bereits vier Mal den gerissen Oberfaden neu eingefädelt habe (Dank Einfädelhilfe kein Problem).
Von oben war es schon zu einem netten Knäuel beworden …

aber was ich dann beim Versuch, den Stickrahmen von der Maschine zu nehmen, zu sehen bekam war doch erschreckend.
Mit einfachem Abnehmen des Rahmens war es nicht getan. Ich musste Spulenkapsel und Innereien erst einmal von den Fäden befreien.
Wenn man das hier sieht, wundert es aber auch nicht weiter.
(— und rückblickend wäre ein anderes Ergebnis auch nicht denkbar) ;)

Nachdem alles von Fadenresten befreit war und die Spulenkapsel wieder an Ort und Stelle war, stickte ich weiter. Flott ging es von der Hand, allerdings riss der Oberfaden erneut und auch unterhalb bildeten sich erneut kleinere Fadengewurschtel.

Trotz aller Widrigkeiten bekam ich die Stickerei für heute „fertig“.
(Was ehrlich gesagt ein Wunder ist, da ich es nun, drei Jahre später besser weiß)

Morgen ist ein anstrengender Tag, aber ich hoffe doch sehr das ich noch in die Stadt komme und mir Stickgarn besorgen kann. (
Dann möchte ich auf einem anderen Stück Stoff den ZickZack ausprobieren und wenn alles klappt die Eule mit „Farbe“ füllen.
Schauen wir mal.

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Nachtrag: 19.06.2012

Meine ersten Versuche wollte ich eigentlich mittels Stickfuss und Stickgarn machen.
Nimmt man andere als die dafür vorgesehenen Mittel weiss man nie ob man es falsch oder richtig macht.
Nunja, mein Stickfuss ist halt noch nicht geliefert … aber Stickgarn sollte wohl zu bekommen sein. Dachte ich zumindest und ging bereits gestern in meinem Ort ins ansässige Handarbeits-Stoff-Geschäft.
Die erste Verkäuferin konnte mit Stickgarn für Maschinen nichts anfangen, holte aber ihre Chefin zu Hilfe. „Stickgarn? Für die Maschine? Sie haben eine Stickmaschine?“ fragte sie und schaute mich mit grossen verwunderten Augen an.
„Noe. Ich habe eine Nähmaschine.“
„Achso (der Depp labert von Stickgarn und will Nähgarn), dann kann ich ihnen besonders reissfestes Nähgarn anbieten.( Der Depp sieht so aus das er alle paar Minuten das Garn reissen lässt)“
„Was soll ich denn mit dem reissfesten Garn machen?“
„Sie wollten doch sticken?“
„Jaaa?!“
„Nun, dann nehmen sie das Garn halt (der Typ nervt)“
„Aber Stickgarn ist doch kein Nähgarn. Das ist doch nicht das selbe.“
„(Ohhh Mist der Depp hat ja doch etwas Plan und ich habe nichts zum sticken da) Nunja, da haben sie natürlich recht. Reines Stickgarn haben wir nicht.“
Nicht nur das sie mich von oben herab behandelt hat … nein, sie wollte mir auch noch etwas vollkommen anderes andrehen, nach dem Motto: Das merkt der eh nicht. Das ansich empfinde ich schon als Unverschämtheit und Betrugsversuch, aber um das Ganze dann als Möchtegernladen auf die Spitze zu treiben war sie nicht einmal fähig genug mir anzubieten ein paar Rollen zu bestellen um mich als Kunden zu binden. Ich kann nur hoffen das der Laden bald weg vom Fenster sind. Eine Schande für jeden ehrlichen Gewerbetreibenden ist das.

Aber damit nicht genug … Nein, Nein.
Ich bin ein Mann und immer wieder eine lustige Erscheinung in einem Nähgeschäft. Jedenfalls sind alle Blicke auf mich gerichtet wenn ich eintrete. Das ist wohl die ausgleichende Gerechtigkeit die Frauen wiederfährt wenn sie in Lederklamotten einen Harleyladen betreten und alleine (!!!) eine Maschine kaufen wollen.

Heute, und damit geht die Osnabrücker-Odysse weiter … heute fuhr ich nach meinem Arzttermin in die Stadt um besagtes Garn zu erstehen.
Mir fielen Adhoc drei Läden ein die das führen könnten. Einmal Kaufhof … der Verkäufer war sehr nett … versuchte auch erst mir das normale Garn zu verkaufen, bekam aber noch die Kurve und bedauerte dann das sie kein Maschinenstickgarn führen würden und in so kleinen Mengen auch nur schlecht ordern könnten.
So liebe ich das beinahe. Sofortige Ehrlichkeit wäre mir lieber gewesen, aber in diesem Falle sehe ich darüber hinweg. Kaufhof behält mich also als Kunde der Kurzwarenabteilung.
Ein paar Meter weiter, hinter dem Kaufhof befindet sich ein riesen Stoffgeschäft die auch Garne führen.
Ich trat ein … sah vor mir zwei Mitarbeiterinnen die sich gerade miteinander unterhalten wollten und fragte: „Entschuldigung. Ich bräuchte Stickgarn für die Maschine.“
„Garn? Sowas haben wir nicht. Wir führen nur Stoffe und gestickt wird ja kaum noch.“ sprach sie und stand mit dem Rücken vor der Wand voller Ackermann-Garne.
„Dann darf ich sie dringend ermuntern sich eine Nachschulung durch die Chefin geben zu lassen, denn das hinter ihnen sind verdammt viele Garnrollen und ich frage mich nun wer wohl die ganzen Stickmaschinen kauft.“
„Achso, das … ja das ist …“
Keine Ahnung was für einen Müll sie von sich gab, ich ging bereits aus der Türe! sad

Die letzte Anlaufstelle war mir eigentlich nicht der Liebste, da man mir vor dem Kauf von „Paulchen“ eine alte überholte Koffermaschine überteuert angeboten hat. Nunja. Es liegt in der Stadt und in zehn Minuten bin ich da.
Ich habe es nicht anders erwartet … ich bekam dort mein Maschinenstickgarn und hatte die Qual der Wahl in Farbe und Grösse. Der Familienbetrieb kennt sich mit alten und neuen Maschinen aus, hat die gängigen Marken im Verkauf und kennt sicher auch die Trends, aber das ein Mann mittels NäMa stickt, war dann doch einen verwunderten Zusatzblick wert.

Ich kaufte 4 Rollen a 1000Meter a 6,20€.
Sicherlich bekomme ich das anderswo günstiger, aber wie man sieht nur theoretisch. Praktisch müsste ich dann übers Netz bestellen. Doch trotz meines Geldmangels kaufe ich lieber beim Händler Vorort als im Netz, denn nichts ist schlimmer als eine Einkaufszone in der es nichts mehr gibt.

Andererseits treiben mich Händler wie der hier in Georgsmarienhütte, bzw. das Stoffgeschäft in Osnabrück ja geradezu in den Onlineshop.
Nicht nur schade, sondern dumm sage ich dazu.

Sooooo und damit habe ich euch nun genug von meinem Leid geklagt und ich hoffe das ich als nächsten Nachtrag eine wunderbar ausge(stopfte)stickte Eule präsentieren kann.

Mit dem Bild des heutigen Einkaufs verabschiede ich mich für heute von euch.

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Nachtrag: 22.06.2012

Gestern hatte ich die Zeit um das Sticken mittels ZickZackStich zu üben.
Damit zu arbeiten ist anders. Während man beim Geradestich mittels der Bewegung am Stickrahmen die Stichbreite varieren kann, müsste man die Stichlänge während des stickens an der Maschine einstellen. Das geht auch bei den meisten Maschinen, bei meiner W6-1235/61 steht in der Bedienungsanleitung jedoch das die Stichbreite nur dann verändert werden darf, wenn die Nadel in der höchsten Position ist. Also nicht während des stickens.

Beim ersten Versuch hatte ich Probleme den Stickrahmen unter den Fusshalter zu bekommen. Im Handbuch wird bei der Erklärung zum stopfen angeraten den Fusshalter abzuschrauben. Gelesen, getan und siehe da … der Stickrahmen kann nun einfach aufgelegt werden und der Nähfusshalter klemmt den Stoff auch nicht mehr ein wenn ich die Stange ablasse.

Ich kopierte meine Eule erneut auf ein Stück Leinen und begann die ersten Versuche mit verschiedenen Stichbreiten.



Wie man sieht habe ich versucht die Konturen erneut mit braunen Faden abzusetzen.
Es gefiel mir zwar optisch nicht, aber bei dem Gesamtbild konnte ich schon viel über Stickrichtung und das „Wie“ erfahren/erlernen.
Gerade bei der Stickrichtung sollte man sich vorab Gedanken machen. Bei meiner Eule empfinde ich es gar nicht so einfach. Federn würden sich wahrscheinlich wie Blätter einfacher aufbringen lassen wenn ich während des stickens die Breite verändern „dürfte“. Ich werde gleich mal eine Mail an W6 senden ob es nicht „nur“ ein Sicherheitshinweis ist, oder ob die Maschine tatsächlich Schaden nehmen würde.

Mit dem gestrigen Ergebnis des Versuches bin ich zufrieden und habe mich dann vorhin ans „Original“ gewagt.
Das Endergebnis von rechts

sowie das selbe von links (also die Rückseite)

Und wer nun ganz enttäuscht auf die Bilder schaut und sich wundert dass das Stickgarn so bescheidene Ergebnisse erzielt den kann ich beruhigen, denn es wurde lediglich Nähgarn eingesetzt. Für die ersten Versuche ist mir das Stickgarn zu teuer.

Nachdem ich den Blogeintrag fertig gestellt hatte, kam der Paketbote und lieferte mir meinen Stopf- und Stickfuss nach.

Logisch. Ich musste ihn sofort anbringen und schauen wie die Funktionsweise ist.
Laut Verpackung:
Stichprogramm: Geradestich (Nadelpoition Mitte) Bei Zickzack liegt die Nadel links eng an. Gefahr des Nadelbruch.
Fadenspannung: 3-6
Stichlänge: Beliebig
Stichbreite: 0-Maximum (Null bei Verwendung des Geradstichs)
Transporteur: Versenken oder Abdeckplatte verwenden
Der rechte Hebel muss auf der Nadelschraube liegen. Beim Einbau nicht runterdrücken.
Vorher den Nähfusshalter entfernen.

Ich werde den Fuss bald testen, muss aber vorher noch meinen Aufbewahrungskasten anpassen.

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