Freihandstickerei – Ansicht von (Idar-)Oberstein, um 1875 nach einem Ölgemälde von „van Prouyen“

Seit meiner Rückkehr aus Düsseldorf habe ich zwei „Aufträge“ zu erledigen.
Ein Spielesäckchen mit Kordel wünscht sich meine Freundin für „Die Siedler“.
Das Andere ist ein „Danke“ von mir an ihre Schwiegereltern die in ihrer Herzensguten Art für mich immer etwas ganz besonderes darstellen.
Leider hat es die Beiden nun böse erwischt. Er kämpft mit offenen Beinen und sie hat der Krebs erwischt.
Das Alter und die Krankheiten lassen den Lebensfaden kürzer werden … und auch wenn ich Ihnen schon oft mündlich Danke sagte, möchte ich es mit dem Projekt nochmals intensiver sagen.
(Ein Danke bei Kaffee und Kuchen ist etwas anderes, als wenn man überraschend ein Geschenk erhält)

Beide leben bei Düsseldorf. Sie ist zugezogen (damals …) und kommt gebürtlich aus der Pfalz.
Somit habe ich mein Motiv nach Herkunft gewählt.
Wie der Ort heisst? Nun, das sollt ihr dann im Nachhinein sagen (und bitte erst wenn es fertig ist).

Wenn ich gut gearbeitet habe, ist es für Pfälzer und Touris gleichermassen erkennbar (wenn man schon mal da war).
Wenn nicht … mache ich es neu.

Die Gesamtgrösse beträgt 27x27cm, wovon am Ende allerdings nur noch 23x23cm zu sehen sein werden. Der Rest wird um einen Träger gesteckt.

Gestern pauste ich die Vorlage durch und bemalte grob, mit Stofffarbe, die Konturen nach.
Danach wurde gebügelt um den Stoff trocken zu bekommen und die Farbe zu fixieren.

Mir fehlen nun definitv eine Menge Farbtöne beim Garn, die ich nachkaufen muss.

Ein erster Blick

24.08.2012

Gestern noch ein paar Stiche gesetzt und festgestellt das ich von der Vorlage arg abweiche.
Ausserdem fehlen mir jede Menge Braun und Grüntöne.

Heute habe ich dann erneut angesetzt und träume von einer unbegrenzten Farbauswahl.
Ich habe schon nachgeschaut. Der Spass würde mich 800€ kosten. Fällt also aus wegen „Istnicht“.
Ich werde am Dienstag den Rahmen mitnehmen und mir in der Stadt noch ein paar passende Farben kaufen.

Blautöne habe ich wohl genug. Ich weiss allerdings noch nicht ob ich Wasser und/oder Himmel überhaupt besticke.
Ich werde es adhoc entscheiden.

Obwohl ich es aus Erfahrung wissen müsste habe ich den Fehler begangen den Stoff bereits zuzuschneiden, statt ausreichend Fleisch daran zu lassen.
Nun bekomme ich das Gesamtbild nicht ordentlich in den Stickrahmen, beziehungsweise zum Teil gar nicht.
Naja, schlimmsten Falls muss ich nächste Woche nochmal ansetzen.

25.08.2012

Hin und her gerissen bin ich. Gerne würde ich mit den „richtigen“ Farben weiter sticken und mich Zentimeter für Zentimenter voran arbeiten.
Es fehlen mir viele Garnfarben im Bereich Grün, Braun und Widererwarten auch im Blau.
Beim arbeiten mit Farbe und Pinsel genügt mir schlimmstenfalls ein Ton, den ich dann aufhellen oder abdunkeln kann. Beim Garn kann ich an der Farbe nichts mehr ändern.
Wirklich negativ ist das auch nicht, da man so durch daneben legen von dunkleren bzw. helleren Farben das Auge betrügen kann. Allerdings muss so etwas eingeübt werden und letztenendes wäre es mir lieber wenn der Betrachter auch von nahem die unterschiedlichen Garne wahrnehmen kann.
Warum ich nicht „einfach“ die Garne nachkaufe? Schliesslich ist heute noch Samstag und die Geschäfte haben in der Stadt offen.
Ja, haben sie … aber es nähert sich auch das Monatsende und die Kosten des letzten Urlaubs haben schon wieder alle Reserven verbraten.
Ich habe zwar noch Geld für zwei Wochen, aber am Montag ein Essen mit Freunden. Das gibt es nicht umsonst. Am Dienstag ist dann mein fünf Euro Kinotag (wie jeden Dienstag) und das Konto füllt sich erst wieder am kommenden Freitag.

Nächsten Monat wollte ich die eiserne Sparbremse ziehen … für die kommende Stromnachzahlung und für Paulchens Nachfolger, die W6 N 3300. Ausserdem brauche ich noch ein paar Spulen und ich möchte den Kordelfuss (für eine bis zu drei Kordeln).
Für den Preis einer Stickgarn-Komplettausrüstung kann ich mir 4 neue Maschinen kaufen. Ein Wahnsinn. Zudem das Ganze ja nur ein Hobby ist.

Nunja, ich habe heute die Zeit soweit herausgezögert das in ein paar Minuten die Läden sowieso schliessen und ich nicht mehr über neues Garn nachdenken brauche.
Über den Tag hinweg bestickte ich ein Teil des Wassers und der Häuser.

Mal schauen ob ich heute Abend den Spannrahmen nochmal versetze und soweit es geht weiter mache.

29.08.2012

Dienstags ist immer mein Kinotag. Diesesmal verband ich die Fahrt in die Stadt mit dem Kauf von farbigen Garn und einem Paket Doppelösen-Nadeln.
Die neuen Nadeln brauche ich zwar im Moment nicht, möchte sie aber mal testen.

Beim Garn habe ich lange gesucht bis ich Farben hatte die so in etwa passen. Eine davon hatte ich bereits zuhause. Mal schauen ob ich sie nächsten Dienstag gegen eine andere Farbe eintauschen darf.
Wenn nicht … auch nicht schlimm.

Jedenfalls konnte ich heute die Arbeit ein grosses Stück vorwärts bringen.

13.09.2012

Die letzten Tage war ich privat zu stark eingespannt um mein Projekt zuende zu bringen. Unglaublich wie sehr mir die Arbeit mit „Paulchen“ fehlt.
Heute gab ich dem Ganzen ein paar letzte Stiche.

Übernächste Woche werde ich es wohl fertig stellen.

23.09.2012

Die letzten Tage war es einerseits im Privatbereich recht stürmisch, andererseits hat mich die Stickerei zur Verzweifelung getrieben.
Bei den letzten Strichen, zog sich ein Teilbereich in der unteren linke Ecke zusammen. Ich versuchte es vergeblich auszubügeln.
Entweder hatte ich den Stoff zu fest eingespannt, oder aber ein paar Unterfäden mit eingearbeitet.
Jedenfalls beulte sich das Bild dadurch an allen Seiten nach oben.
Frust pur.

Die Ränder habe ich mit einem dunkelblauen Stoff abgenäht und das Ganze dann auf Keilrahmen aufgebracht.
Die Wölbung konnte ich durch hinterlegung mit Vlies und dem festen Bespannen ausgleichen.

Zufrieden bin ich jedoch nicht wirklich.
Bevor ich das Ganze aber neu mache, will ich es erst noch ein paar Tage auf mich wirken lassen.

der Micha

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Ein Schlafanzug für „Paulchen“

Eigentlich müsste ich an einem Bild von Idar-Oberstein hängen, aber ich fand keine passende Vorlage.
Nachdem ich ein paar Ausdrucke probiert hatte und nicht zufrieden war, nahm ich mir zunächst einmal das Nachtgewand meiner w6 1235/61 (kurz „Paulchen) vor.
Der Plastikstrampler welcher mitgeliefert wurde, ist mir nicht hübsch genug.

Da ich bereits im Vorfeld meinem Paulchen einen passenden Anstrich gab, musste das Gewand auch noch angepasst werden.

Ich begann damit die Plastikhülle auszumessen und den Stoff mit 1cm NZ vorzubereiten.
Danach wurde dann auf einer Längsseite die Vorlage aufgebracht, in den Stickrahmen eingespannt und los ging es.

Gestickt wurde mit der Nähmaschine im „Freihandsticken“. Dazu wird mit oder ohne Stickfuss, im Längs- oder ZickZack-Stich das Motiv gefüllt indem man den Stickrahmen per Hand vorsichtig unter der Nadel bewegt.

Damit mir nicht wieder der überstehende Stoff unter den Rahmen gerät, hatte ich zu Beginn Tischdecken-Beschwerer daran geklipst. Da man die Gewichte zur Seite legen muss ist es zwar hilfreich, würde aber dennoch nicht verhindern das man sich eine Stoffkante unter den Rahmen zieht.

Bei diesem Projekt versuchte ich mich an vielen neuen Dingen.
So auch an den Einsatz der Zwillingsnadel. Die W6 N 1235/61 hat eine Stichbreite von 5mm. Damit lassen sich zwar auch 4mm breite Zwillingsnadeln nutzen, aber nur im Geradestich. Ich wollte jedoch das Ergebnis auch mit ZickZack und bei Zierstichen sehen. Somit nahm ich eine 2mm Zwillingsnadel. Das würde dann auch bei grösster Breite passen.

Die Einfädelhilfe konnte ich dabei nicht einsetzen, so das ich mit Brille und „tief durchatmen“ das Garn durch beide Öhre brachte. In dem Moment wusste ich die Einfädelhilfe erneut zu schätzen.

Ich nähte damit dann die fünf Teile der äusseren Hülle zusammen. Mit einem Geradestich und der Zwillingsnadel. Hat mir sehr gut gefallen und stellte auch beim Rückwärtsnähen kein Problem da.

Nun war eigentlich angedacht das ich die äussere Hülle auf die mitgelieferte Plastikhülle vernähe. Soweit die Theorie.
In der Praxis habe ich mich da wohl einerseits vermessen und zum zweiten fand ich keinen Ansatz wie ich das miteinander vernähe ohne das mir das Plastik einreisst.
Als drittes fiel mir der fehlende Stand und Schutz auf, sodas ich neu plante und eine innere Hülle zurecht schnitt.
Vlies habe ich zwar da, bin aber mit der Anwendung nicht vertraut genug als das ich es an meine Stickerei lassen würde, ausserdem ist es kein Volumenvlies.
Somit war es dann der beste Augenblick um die Sache mit den Bodenpflegetüchern zu testen. Ich kaufte in „Tedi“ noch ein paar Pakete und machte mich dann ans Werk. Innenfutter und Bodentücher zuschneiden und auf Links zusammen nähen.
Danach wurde dann das Innen- mit dem Aussenfutter auf Links verbunden.

Mein Paulchen hatte ganz schön zu kämpfen (und ich auch). An den Ecken hatte ich bereits von der Aussenhülle 4 Lagen Stoff. Nun kamen noch ein Bodentuch und an den Ecken zwei weitere Lagen Stoff hinzu. Somit hatte ich dann bis zu 7 Lagen unter dem Fuss. Die Maschine hatte Kraftmässig weniger zu kämpfen, aber mir rutschten die Lagen laufend nach links unter dem Nähfuss weg so das ich teilweise zerren musste.
Das kostete mich eine Nadel die mit einem lauten Klong auf die Stichplatte aufschlug und mir um die Ohren flog. Schon das vierte Mal das ich eine Nadel auf die Platte aufschlagen lies ohne das mir Paulchen das übel nimmt.

Nachdem ich beide Seiten vernäht hatte, ging es an den Ausschnitt für den Tragegriff.
Wie macht man sowas? Ich fummelte und dachte und probierte … und kam letzten Endes zu der Erkenntnis das es einfach wäre wenn ich oben einen einfachen Schnitt mache, das Innenfutter mit dem Bodentuch jedoch breiter ausschneide, sodas ich danach den überstehenden Stoff von oben an die Innenseite des Innenfutters versäumen kann.

Theorie. Nett gedacht, funktionierte aber nicht da nicht genug Stoff zum umschlagen da war und mir immer wieder wegrutschte.
Ich entschied mich dazu die Kante erst einmal zu heften damit sie mir nicht wegrutscht wenn ich mich an einem Schrägband versuche.
Schrägband? Genau.
Den Fuss habe ich erst seit Kurzem und bisher noch nicht getestet. Zeit wirds. smile
Zunächst einmal kämpfte ich mit dem seltsamen Fuss.
„Wo gehört hier was hin und wenn Ja warum?“ „Ahhh“ „Neee“ „Ohhh“ „Ach“
Nachdem ich das System verstanden habe, nahm ich meinen 1 Meter Testschrägband, friemelte es unter Zuhilfe einer Stecknadel bis unter der die Nadel, legte ein Stück Teststoff in die Aussparung am Fuss und lies die Maschine machen.

Das macht Spass. Genauso viel wie die Arbeit mit dem Rollsaum.

Dennoch kann ich das bei der Aussparung an „Paulchens Schlafanzug“ nicht anwenden.
Zuviel Stoff. Da passt das Schrägband nicht drum.
Ich bügelte mir aus dem Stoff ein eigenes „Schrägband“, wechselte Fuss und Nadel wieder gegen Universal aus und vernähte mit viel „Zusammenhalten von Stoff und Band“ die Umfassung.

Es gibt Vieles was bei dem Projekt falsch lief und was nicht so schön wurde wie ich es mir erhoffte. Etwas besser wäre es gewesen wenn ich von Beginn an Aussenfutter, Tuch und Innenfutter miteinander hätte vernähen können. Das hätte sicherlich saubere und nicht ganz so dicke Nähte ergeben.

Andererseits habe ich dabei unglaublich viel Neues gelernt, was sich in den weiteren Projekten positiv auswirken wird.
Bei meinen dazugekauften Füssen waren ein paar der Meinung das man das nicht braucht.
Ich gebe euch teilweise recht. Sie sind nicht notwendig um sauber nähen zu können, aber sie erleichtern doch einiges und machen zudem Spass. ;-)

Achja … Paulchen … ich habe ihn schlafen geschickt … in seinem neuen dicken Schlafanzug.

… und falls jemand den Namen vergisst …

„Träum was Süsses“,
sagt der Micha

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